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Ein Ökogebäude in Sydney: Hochhauspreis für Christoph Ingenhoven.

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Und ein Garten auf dem Dach. „1 Bligh Street“ heißt das preisgekrönte elliptische Gebäude des Düsseldorfer Architekten. Foto: dpa
Und ein Garten auf dem Dach. „1 Bligh Street“ heißt das preisgekrönte elliptische Gebäude des Düsseldorfer Architekten. Foto: dpaFoto: dpa

In Deutschland mag man Hochhäuser ja eher nicht. Während ihre Entstehung in einer Stadt wie Berlin eher behindert wird, ist die Bauform in Frankfurt am Main immerhin akzeptiert. So sieht es jedenfalls Peter Cachola Schmal, Direktor des dortigen Deutschen Architekturmuseums. Dabei seien Hochhäuser die Bauform des 21. Jahrhunderts, weshalb das Museum (mit der DekaBank) alle zwei Jahre den internationalen Hochhauspreis auslobt. Nun wird er zum fünften Mal vergeben.

Der Bau von Wolkenkratzern erfordert einen enorm hohen Aufwand in Sachen Konstruktion, technischer Ausstattung und Unterhalt. Gerechtfertigt ist das in dichtbesiedelten Metropolen und Zentren, dort, wo die Bodenpreise explodieren. Aber Hochhäuser etwa in Dubai, wo es Platz ohne Ende gibt, sind ökologischer Unsinn und pures Potenzgehabe. Deshalb fördert der Hochhauspreis vor allem Projekte, die die systembedingten Probleme zu mindern suchen.

Hierbei hat das preisgekrönte Projekt in Sydney seine Stärken. Das „nur“ 139 Meter verglaste Bürohochhaus „1 Bligh“ in der gleichnamigen Straße hat bereits die höchste australische Öko-Zertifizierung erhalten, darunter für Bauweise und Baustoffverwendung, Energie-Management und sparsamen Wasserhaushalt. Doch auch die Qualitäten für die Benutzer (darunter Australiens Premierministerin ) waren für die Preisvergabe an den Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven und sein australisches Partnerbüro Architectus entscheidend. Ihre Büros erreichen die Nutzer über ein luftiges, haushohes Atrium, belüften lassen sich die Räume über die Doppelfassade. Auch ist die Aussicht auf die Umgebung exzellent, vor allem auf die berühmte Hafenbay – wegen des elliptischen Grundrisses und weil die übliche Farbverzeichnung aus Weißglasscheiben hier vermieden werden konnte.

Aus dem Kreis der vom Architekturmuseum vornominierten 26 Gebäude hatte die internationale Jury unter Leitung von Albert Speer vier weitere Finalisten ausgewählt: Pinnacle@Duxton in Singapur (ARC Studio, Singapur), The Troika in Kuala Lumpur vom Londoner Büro Norman Fosters, Frank Gehry mit einem Haus in der New Yorker Eight Spruce Street und die Absolute Towers im kanadischen Mississauga des Pekinger MAD-Büros. Dass ausgerechnet Ingenhoven als erster Deutscher nun den Frankfurter Preis erhält, hat seine Ironie, ist er doch der Architekt von Stuttgart 21 und hat sich bei den Gegnern des Bahnhofsneubaus keine Freunde gemacht.

Natürlich spielte bei der Vorauswahl auch die spektakuläre ästhetische Erscheinung eine Rolle – wobei die Blähdarm-Optik der verschwurbelten Absolute Towers nicht jedermanns Sache ist. Doch geht es nicht nur ums Äußere. Nachhaltigkeit und ökologische Kriterien, innere Raumqualitäten und soziale Aspekte sind mindestens ebenso wichtig. Das sind Felder, auf denen viele spektakuläre Himmelsstürmer und Höhenrekordjäger in Nah- und Fernost nur wenig punkten können.

Die Hochhäuser der Gegenwart sind überwiegend Bürotürme. Künftig aber werden in den Innenstädten immer mehr Wohnhochhäuser stehen. Deren Architekten sind gut beraten, sich die Kriterien dieses Hochhauspreises für ihre Arbeit zu eigen zu machen.

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