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Kultur : Musik in Berlin: Schweigeminute

14.04.2001 00:00 UhrVon Sybill Mahlke

Wege der Musikgeschichte: Am 11. März 1829 findet die legendäre Wiederaufführung der Matthäus-Passion in der neuen, nach Schinkels Plänen erbauten Berliner Singakademie statt. Das Ereignis trägt den Namen Felix Mendelssohn Bartholdy. Der ganze preußische Hof, Hegel und Heine sind anwesend. 1833 ist nach Zelters Tod der Zeitpunkt gekommen, einen neuen Direktor für die Singakademie zu bestellen. Dass Mendelssohn, wie seine Schwester Fanny seit 1820 Mitglied der Singakademie, die Wahl verliert, verursacht eine traumatische Wunde in dem "Judenjungen". Über Carl Friedrich Rungenhagen, den gewählten Zelter-Nachfolger, weiß die Überlieferung wenig Gutes.

Im Gefolge der wieder erweckten Matthäus-Passion aber macht sich Rungenhagen verdient, indem er 1833 die Johannes-Passion aufführt, allerdings ohne eine mit Mendelssohns Tat vergleichbare Beachtung zu finden. Die Musik von Johann Sebastian Bach gehört seit Zelters Zeiten zum Probenprogramm der Singakademie.

Heute haben wir zwei Singakademien: eine mit ununterbrochener Tradition, "gegründet 1791", die sich in West-Berlin erhalten, und eine, die sich mit Berufung auf dieselbe Tradition in Ost-Berlin gegründet hat. Kulturgeschichte ist nicht unpolitisch. Im historischen Gebäude der Singakademie residiert das Maxim-Gorki-Theater. Nun ist eine Neuzeit angebrochen, in der die jüngere Singakademie im alten Haus Karfreitagskonzerte gibt, in Koproduktion mit dem Theater. Die Klitterung kann man vergessen, wenn der Genius loci wieder die Macht der Vergangenheit in die Gemüter zwingt.

Diesmal also die Johannes-Passion unter den gestaltenden Händen von Achim Zimmermann, denen sich auch die Kammersymphonie Berlin engagiert unterstellt. Die Interpretation ist als eine lebendige Musikdramaturgie zu umschreiben. Denn die Chöre des jüdischen Volkes und die Rezitative des Evangelisten, von Markus Brutscher mit sensationeller Steigerung gesungen, gelingen so, dass die Dramatik der Passion aus sich heraus gleichsam auf die Bühne drängt. Das Weinen des Petrus, der klagende Ton um das Purpurkleid, das Jesus angelegt wird, der aufflammende Verdacht der Knechte "Bist du nicht seiner Jünger einer?", die betulich bürokratische Betonung des "Gesetzes", Spott und Wut der Menge und das Feilschen der Kriegsknechte um den Rock Christi als perfekter Gassenhauer "Lasset uns den nicht zerteilen" - das sind großartige Momente einer geradezu szenischen Lesart, hinter denen die lyrisch-meditativen etwas zurückstehen. In der Jesus-Partie hat der expressive Egbert Junghanns neben sich immerhin einen Olaf Bär, der jedoch als Pilatus mehr überzeugt als in den Arien. Aber auch der schlichte Ton der Choräle folgt bei Zimmermann einer inneren Dramaturgie, so dass nach dem Schlussvers "Ich will dich preisen ewiglich!" eine natürliche Schweigeminute eintritt.

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