Musiker wollen ihre Song-Rechte : US-Musikindustrie vor Urheberrechtsstreit

Nach 35 Jahren können Musiker in den USA erstmals ihre Song-Rechte zurückfordern. Die Plattenfirmen wehren sich dagegen.

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Bob Dylan und andere bekannte Namen haben schon Ansprüche angemeldet.
Bob Dylan und andere bekannte Namen haben schon Ansprüche angemeldet.Foto: Sony/William Claxton

Diese Alben haben Millionen eingespielt. Billy Joels „52nd Street“ wurde allein in den USA sieben Millionen Mal verkauft. Bruce Springsteens „Darkness on the Edge of Town“ mehr als drei Millionen Mal. Columbia Records, beziehungsweise Sony Music, verdient an den beiden Alben auch heute noch sehr viel Geld. Doch damit könnte es bald vorbei sein: Aufgrund einer bislang wenig beachteten Regelung im US-amerikanischen Urheberrechtsgesetz können Musiker nach 35 Jahren die Rechte für ihre Alben und Songs einfordern, beginnend mit dem Jahr 1978. Das Jahr in dem nicht nur „52nd Street“ erschienen ist, sondern Bruce Springsteens „Darkness on the Edge of Town“, „Minute by Minute“ von den Doobie Brothers, Kenny Rogers „Gambler“ oder „One Nation Under a Groove“ von Funkadelic.

Mitte der siebziger Jahre wurde das sogenannte „termination right“ dem amerikanischen Urhebergesetz hinzugefügt. Es sieht vor, dass die Rechte für Alben und Songs 35 Jahre lang beim Plattenlabel bleiben, dann allerdings an die Künstler zurückgehen. Demnach würden am 1. Januar 2013 die Rechte aus den 1978 veröffentlichten Songs und Alben – und damit auch alle weiteren Einnahmen – an die Künstler zurückfallen. Weil diese zwei Jahre vorher ihre Ansprüche anmelden müssen, zeichnet sich bereits jetzt ein Streit ab, der die amerikanische Musikszene über Jahre hinweg beschäftigen könnte. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge haben schon Bob Dylan, Tom Petty, Bryan Adams, Loretta Lynn, Kris Kristofferson, Tom Waits und Charlie Daniels ihre Ansprüche angemeldet. Verschiedene Anwälte sprechen sogar von deutlich mehr Künstlern. Billy Joel und Bruce Springsteen, Urheber der größten Hitalben des Jahres 1978, wollen sich derzeit noch nicht dazu äußern.

Tom Waits.
Tom Waits.Foto: dpa/dpaweb

Der ohnehin angeschlagenen Musikindustrie der USA könnte durch dieses Gesetz schleichend die nächste wichtige Einnahmequelle wegbrechen. Die Verkaufszahlen waren vor allem wegen illegaler Downloads im Internet im vergangenen Jahrzehnt von gut 14 Milliarden um mehr als die Hälfte auf etwa sechs Milliarden US-Dollar zurückgegangen. Da Downloads vor allem Neuerscheinungen betreffen, waren die Plattenfirmen mehr als zuvor auf den Verkauf älterer Titel aus ihren Sortimenten angewiesen. Alben wie „Darkness on the Edge of Town“ und „52nd Street“ werden häufig neu aufgelegt und bilden so eine unkomplizierte, schnelle und sichere Geldquelle für die Konzerne.

Kein Wunder also, dass die vier großen Plattenfirmen sich wehren wollen. Schließlich geht es nicht nur um die Veröffentlichungen aus dem Jahr 1978, sondern um alles was danach folgt. Universal, Sony Music, EMI und Warner haben bereits klargestellt, dass sie die Aufnahmen als ihr Eigentum betrachten. „Wir glauben, dass das Gesetz auf die meisten Aufnahmen nicht anwendbar ist“, sagte Steven Marks der „New York Times“. Er ist Leiter der Rechtsabteilung der Recording Industry Association of America (RIAA), die die Interessen der Plattenfirmen vertritt. Seiner Meinung nach gehören die Masteraufnahmen dauerhaft den Plattenfirmen und nicht den Künstlern. Schließlich seien die Stücke im Auftrag der Plattenfirmen aufgenommen und die Musiker dafür bezahlt worden. Andere Experten halten dieses Argument für wenig überzeugend, da viele Künstler die Recordings selbst bezahlt hätten. Von den Plattenfirmen ist zum „termination right“ derzeit keine Stellungnahmen zu bekommen, womöglich, weil sie das Thema erst einmal klein halten wollen. Womöglich aber auch, weil sich die Konkurrenten noch nicht auf eine Strategie einigen konnten.

Loretta Lynn.
Loretta Lynn.Foto: AFP

„Mein Bauchgefühl sagt mir, dass diese Sache bis zum Obersten Gerichtshof geht“, sagt Anwältin Lita Rosario. Die Expertin für Soul, Funk und Rap hat bereits Forderungen für diverse Künstler eingereicht, die sie nicht namentlich nennen will. „Manche sehen es als eine Möglichkeit, bessere Deals auszuhandeln. Einige Musiker aber werden sich damit nicht zufrieden geben und all ihre Rechte zurückverlangen.“ Eine Prognose wagt sie nicht, schließlich fehlt auf diesem Feld ein Präzedenzfall. Und viele Fragen schließen sich an: Beispielsweise, ob britische Gruppen wie wie Led Zeppelin, die Rolling Stones, Pink Floyd oder die Dire Straits für ihre US-Aufnahmen ebenfalls ihre Rechte einfordern können.

Spätestens 2013 werden die Gerichte darauf eine Antwort finden müssen.

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