Nachruf auf William Röttger : Einer der Urväter des Techno ist gestorben

Entdecker von Westbam, Mitbegründer des Low-Spirit-Labels, Love-Parade-und Mayday-Veranstalter: William Röttger, einer der Urväter von Techno, ist tot.

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William Röttger (1948-2015).
William Röttger (1948-2015).Foto: Tilman Brembs/Zeitmaschine

Es ist ein seltsam tragischer Zufall, dass William Röttger ausgerechnet in der Woche stirbt, da sein Ziehsohn und Lieblingsschützling Maximilian Lenz aka Westbam seinen 50. Geburtstag feiert und gleichzeitig seine Autobiografie und DJ-Erinnerungen veröffentlicht, „Die Macht der Nacht“. Ohne den in vielerlei Netzwerken heimischen Röttger wäre Westbams Karriere nicht so früh so erfolgreich verlaufen, und auch bei Techno-Großevents wie der Love Parade und dem Mayday zog er als Mitveranstalter einige entscheidende Fäden: Röttger war Geschäftsführer der Mayday GmbH und Gesellschafter der Love Parade GmbH. Ganz zu schweigen von seiner Tätigkeit bei Low Spirit, dem Techno-Label, das er 1985 mit Westbam, dessen Bruder Fabian, Klaus Jankuhn und Sandra Molzahn gründete.

William war auf der Demo der Auffälligste, Niemand trug höhere Plateauschuhe, längere Haare oder weitere Schlaghosen

Der 1948 geborene William Röttger war schon im westfälischen Münster eine umtriebige, schillernde Gestalt, ein Kind seiner Zeit, in den siebziger Jahren mit den Hippies genauso sympathisierend wie lose auch mit der RAF, später dann mit der Anti-AKW-Bewegung. Er arbeitete als Erzieher in einem antiautoritären Kindergarten, war der Assistent von Westbams Vater am Lehrstuhl für Kunsterziehung an der PH Münster und hatte dann nicht zuletzt auch ein Verhältnis mit der Frau seines Vorgesetzten. Westbam lernte ihn als kleiner Junge erstmals auf einer Demonstration gegen den Vietnam-Krieg kennen und erinnert sich an ihn so:„William war von den vielen Typen auf der Demo der Auffälligste, Niemand trug höhere Plateauschuhe, längere Haare oder weitere Schlaghosen, und niemand klimperte mehr mit seinem indischen Silberschmuck an den Handgelenken.“

Seine Wohnung in Charlottenburg wurde eine der Keimzellen von Techno

Auch im Odeon, dem besten Konzertladen Münsters, mischte er mit, bevor er in den frühen achtzigern Jahren nach Berlin ging, um zu fotografieren, Second-Hand-Klamotten zu verkaufen, Bilder und Comics zu verkaufen und mehr. Vor allem aber wird seine Wohnung in der Charlottenburger Mommsenstraße schon bald eine der Keimzellen von Techno, mit den Gebrüdern Lenz und dem Low-Spirit-Label. Und auch als Produzent ist Röttger dann mitverantwortlich für Marusha oder Mark` Oh.

Nach dem Niedergang von Techno und der Love Parade sowie dem Ende des Low-Spirit-Labels widmet sich Röttger hauptsächlich der Bildenden Kunst, als Galerist wie als Produzent. „William war ein Typ“, so Westbam in seiner Autobiografie, „der nichts zu fürchten schien, außer irgendetwas lebenslänglich machen zu müssen. Und natürlich die verfluchte Welt namens Schnecke“. Jetzt ist William Röttger aufgrund eines Krebsleidens infolge einer Leberzirrhose in Münster gestorben.

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