Nachruf : Jazz-Pianist Dave Brubeck gestorben

Dave Brubeck ist tot. Der Jazz-Pianist starb am Mittwoch in einem Krankenhaus in den USA. Seine Welthits, wie "Take Five" oder "In Your Own Sweet Way", werden noch Vielen im Ohr bleiben.

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Der Jazz-Pianist Dave Brubeck ist tot.
Der Jazz-Pianist Dave Brubeck ist tot.Foto: dpa

Das Publikum blieb ihm treu, bis zum Schluss. Den besten Beweis dafür bieten die Leser der amerikanischen Fachzeitschrift Down Beat, dem einflussreichsten Jazzmagazin weltweit. Sie wählten in einer aktuellen Umfrage das Dave Brubeck Quartet gerade zur besten Jazzband des Jahres, und das, obwohl ein Konzert schon lange nicht mehr stattfand. Zum letzten Mal trat Brubeck vor sechs Jahren in Deutschland auf. Vor zwei Jahren, kurz vor seinem 90. Geburtstag wurde schon jegliche Konzerttätigkeit abgesagt, Brubeck musste ins Krankenhaus und bekam einen neuen Herzschrittmacher. Seitdem gab es ausgewählte Gala-Konzerte hier und dort und immer wieder auch Absagen. Zum 90. Geburtstag erschienen entsprechende CD-Sets aus dem großen Repertoire des Meisters, ein aktuelles Weihnachts-Album kann online über seine Webseite erworben werden.

 Dave Brubeck wird am 6. Dezember 1920 in Concord, Kalifornien geboren. Er wächst auf einer Farm auf und studiert zunächst Tiermedizin, bevor er endgültig zur Musik wechselt. Denn Musik spielt schon immer eine Rolle im Hause Brubeck, als Jugendlicher träumt er davon, dass die von ihm gehüteten Tiere den Tourbus des Benny-Goodman-Orchesters stoppen würden, damit er ihm vorspielen könne.

Vorlesungen von Arnold Schönberg und Unterricht bei Darius Milhaud führen ihn zur intensiven Beschäftigung mit klassischem Klavier, Kontrapunkt und Arrangement.

Doch seine Liebe bleibt beim Jazz, 1951 gründet er mit dem Saxofonisten Paul Desmond eine Band, die als das langlebigste Ensemble des modernen Jazz Geschichte schreiben sollte - das Dave Brubeck Quartet.

 Am 8. November 1954 ist er der erste Jazzmusiker nach Louis Armstrong, der es auf das Titelbild von Time Magazine schafft. 1959 folgt dann das Wunderjahr des modernen Jazz und Brubeck gelingt der große Wurf. Einige der einflussreichsten Alben der Jazzgeschichte werden fast zeitgleich aufgenommen, darunter Miles Davis „Kind of blue“, Charles Mingus „Ah Um“, Ornette Coleman „The Shape Of Jazz To Come“, John Coltrane „Giant Steps” und Dave Brubeck „Time Out“. Seine darauf enthaltenen Kompositionen „Take Five“ im 5/4-Takt und „Blue Rondo a la Turk“ im 9/8-Takt  werden unerwartet kommerziell sehr erfolgreich.

 Brubeck, der zunächst Jazzstandards interpretierte, avanciert schnell mit ungewöhnlichen Taktmustern und Blockakkorden zu einem anspruchsvollen und experimentierfreudigen Jazzpianisten und schließlich auch Komponisten. Sein Album „Time Out“ wurde von der Musikwirtschaft zunächst eher skeptisch beurteilt, da es nur Eigenkompositionen enthielt und kaum mehr Kompositionen im herkömmlichen 4/4-Takt.

 Ende der 1950er Jahre gerät Brubeck mit der offiziellen Rassentrennung in Konflikt und sagt Konzerte und Fernsehsendungen ab, weil er seinen afroamerikanischen Bassisten Eugene Wright nicht durch einen weißen Musiker ersetzen will. Seine sozial engagierte Komposition „The Real Ambassador“ mit Louis Armstrong erscheint 1961, bei den ersten Berliner Jazztagen 1964 führt er seine Komposition „Elementals“ für Quartett und Streichorchester auf. Martin Luther King, Jr. schrieb im Programmheft zu jenen ersten Berliner Jazztagen, dass der Jazz der amerikanischen Bürgerrechtbewegung Kraft gegeben habe und dass die Jazzmusiker mit ihrem Mut und ihrer Vision beispielgebend gewesen seien.

 Seit Ende der 1960er Jahre nimmt Brubeck öfter Umbesetzungen vor. Zeitweilig spielen auch seine drei Söhne Dan, Schlagzeug, Darius, Bass und Chris, Keyboard, in seiner Band. Mitte der 1970er Jahre tritt er wieder mit Paul Desmond und dem Baritonsaxofonisten Gerry Mulligan auf, mit dem er nach Desmonds Tod 1977 eng zusammenarbeitet.

Brubeck erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter einen Grammy für sein Lebenswerk und einen Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“. 1994 verlieh ihm der amerikanische Präsident Bill Clinton die National Medal of Arts, anlässlich seines 90. Geburtstags überreichte ihm Präsident Barack Obama den Preis des Kennedy Centers in Washington. Mit dem Ehrendoktorat der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg in der Schweiz, wurde er besonders für seine religiös motivierten Werke ausgezeichnet. Zu seinen großen geistlichen Kompositionsprojekten für Chöre, Orchester und Jazzband gehören „Earth Is Our Mother“, „Joy In The Morning“ und „Voice Of The Holy Spirit“. Die Messe „To Hope! A Celebration“ komponierte Brubeck 1979 im Auftrag einer katholischen Zeitung. Zudem war er auch sehr am Third Stream interessiert, einer besonders vom amerikanischen Komponisten und Dirigenten Gunther Schuller angestrebten Vereinigung von Jazz und klassischer Musik.

Brubeck öffnete sein Werk verschiedensten Einflüssen, darunter auch der Musik der amerikanischen Ureinwohner. Zu seinen bekanntesten Stücken, von denen viele zu Klassikern des modernen Jazz wurden und heute zum Repertoire der Jazzausbildung weltweit gehören, zählen neben der Paul Desmond Komposition „Take Five“ seine Stücke „In Your Own Sweet Way“ und „Unsquare Dance“. Am 5. Dezember ist Dave Brubeck wegen Herzversagens in einem Krankenhaus in Connecticut gestorben. Am 6. Dezember wäre er 92 Jahre alt geworden.

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