Oper von Giuseppe Sarti an der UdK : Wenn zwei sich streiten

Giuseppe Sartis Oper „Fra i due litiganti“ war im 18. Jahrhundert rasend populär - und stürzte ab dann ins völlige Vergessen. Aus dem sie die UdK jetzt herausgeholt hat.

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Szene aus der Finale der UdK-Inszenierung
Szene aus der Finale der UdK-InszenierungFoto: Jirka Jansch

Drei Takte. So viel hat überlebt vom kompositorischen Werk Giuseppe Sartis, der über 50 Opern geschrieben hat. Mozart hat die acht Noten ins Finale seines „Don Giovanni“ eingeschmuggelt: Leporello mampft heimlich vom Tisch seines Herrn, während die Bühnenmusiker ein Thema aus Sartis „Frai i due litiganti“ zitieren. „Evvivano i litiganti!“ ruft Leporello aus, ein Stück Fasan noch im Mund – „die Streithähne sollen leben!“. Täte er das nicht, wüssten wir heute nichts mehr von Sarti, der 1802 gestorben ist, übrigens in Berlin. Der Studiengang Gesang/Musiktheater der UdK hat die „Litiganti“ jetzt im UNI.T dem Vergessen entrissen, das Forschungsprojekt „Sarti – A Cosmopolitan Composer in Pre-Revolutionary Europe“ hat die Fassung erarbeitet.
Das Stück war rasend erfolgreich im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts – mit vielen, teils unsexy Namen wie „Unter zwey Streitenden zieht der dritte den Nutzen.“ Vieles erinnert an Mozarts „Figaro“: Graf und Gräfin streiten, welcher Diener die Kammerzofe Dorina (Corinna Scheurle) heiraten darf. Zoff überall, man spürt: dieses Gesellschaftssystem hat keine Zukunft. Durch die Brille der Mozart/da Ponte-Opern betrachtet, wirkt die Handlung dürftig, kreist nur um eine Idee. Es fehlt die tiefe, universal-menschliche Dimension, wie sie etwa im „Figaro“-Finale in der Bitte des Grafen um Verzeihung aufscheint. Sarti erreicht allerdings ähnliche Intensität in der Arie der Gräfin (Natalia Perelló) gleich zu Beginn. Herausragend der kernige Bariton von Gyung Seok Han als Titta, einer der Diener, die sich um Dorina prügeln.

Regisseur Frank Hilbrich beginnt mit einem konventionellen Tür-auf-Tür-zu- Drama, man befürchtet Schlimmstes, aber dann gleitet die Story schrittweise über immer modernere Kostüme und Kulissen ins 21. Jahrhundert, wo sie ebenfalls gut funktioniert. Die trotz ihrer teils schlichten Bauweise mitreißende Musik von Sarti wird vom Udk–Symphoniorchester (Leitung: Errico Fresis) vital und prachtvoll herausgeputzt und klingt frisch wie am ersten Tag.

wieder am 4. und 5. Juli, 19.30 Uhr, UNI.T, Fasanenstraße 1b

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