Piper Verlag : Wachwechsel

Überraschungscoup: Die Literaturkritikerin Felicitas von Lovenberg wird neue Verlegerin des Piper Verlags

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Seitenwechsel. Felicitas von Lovenberg macht ab jetzt Bücher, statt über sie zu schreiben.
Seitenwechsel. Felicitas von Lovenberg macht ab jetzt Bücher, statt über sie zu schreiben.Foto: SWR/Alexander Kluge

In der vergangenen Woche der Knall: Marcel Hartges, seit April 2009 Verleger des Münchner Piper Verlags, verlässt das Haus, so die Pressemitteilung, zum Monatsende im Dissens über seine künftige Ausrichtung. Weniger diplomatisch würde man es auch einen Rauswurf erster Klasse nennen. Nun die nicht weniger überraschende Nachricht zur Nachfolge: Ab 15. März übernimmt Felicitas von Lovenberg, Jahrgang 1974, die verlegerische Geschäftsführung bei Piper. Die kurze Führungslücke spricht dafür, dass der Wechsel nicht von langer Hand geplant war.

Mit der langjährigen Literaturchefin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat man sich eine ausgewiesene, auch dem Populären nicht abgeneigte Kennerin der deutschen, englischen und amerikanischen Literatur geholt, aber letztlich eine Branchenfremde. Die Verantwortung für ein Zeitungsressort ist etwas anderes als diejenige für Kalkulationen und Marketingkampaganen. Auch das Parkett internationaler Verlage und Agenturen, auf dem langjährige Kontakte vielleicht noch mehr wert sind als in vielen anderen Feldern, muss sie sich erst noch erobern. Am sozialen Geschick, das Haus nach außen zu repräsentieren, wird es ihr sicher nicht mangeln. Ihre vordringlichste Aufgabe aber wird es sein, dem Verlag wieder ein schlüssiges Programm und ein literarisches Gesicht zu geben.

Der Piper Verlag, seit zwanzig Jahren Teil der schwedischen Bonnier-Gruppe, der in Deutschland unter anderem die Ullstein-Verlage gehören, zählt zu den traditionsreichsten Publikumsverlagen des Landes. Unter Hartges, der sich ganz auf den Erfolg einzelner Bücher konzentrierte und etwa mit Charlotte Roche anfangs noch Verkaufserfolge feierte, hat er in den letzten Jahren sein Profil immer weiter in Richtung Unterhaltung verspielt. Hannah Arendt, die dort im Sachbuch noch eine Heimat besitzt, wirkt inzwischen wie ein Fremdkörper.

An Felicitas von Lovenberg wird es auch sein, das Verhältnis zu dem ans Münchner Haupthaus angebundenen Berlin Verlag zu klären. Marcel Hartges hatte dort im Oktober 2013 mit dem Juristen und Romancier Georg M. Oswald einen gleichfalls branchenfremden Verlagsleiter installiert. Der Berlin Verlag erlebt dem Vernehmen nach wie Piper schwierige Zeiten und braucht dringend eine Schärfung seines Profils. dotz

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