Pop und Städte : Seattle kann nur Rock

Wie klingt eine Stadt? Philipp Krohns und Ole Lödings Popgeschichtsbuch „Sound Of The Cities“.

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Cover von "Sound Of The Cities"
Cover von "Sound Of The Cities"Foto: Verlag

Was für ein Unterfangen! Gleich 24 Städte von Memphis über Antwerpen bis New York haben die Autoren Ole Löding und Philipp Krohn besucht, um popmusikalische Entdeckungen, vor allem jedoch pophistorische Erkundigungen zu machen. Wie sehr beeinflusst ein bestimmter Ort die Popmusik, die hier entsteht? Wie klingt eine Stadt? Die SubPop Rock City Seattle, die Technostadt Detroit, die Ravestadt Manchester? Und umgekehrt: Wie hat sich der Erfolg, die Anziehungskraft dieses Pops auf die Städte ausgewirkt?

Doch was sich mit dem naheliegenden Titel „Sound Of The Cities“, der Exploration und Zahlen wie „500 Songs“ oder „100 Bands, Solokünstler und Popexperten“ verheißungsvoll anlässt, liest sich mitunter sehr enttäuschend. Nicht, weil manche wichtige Städte fehlen; auch nicht, weil die Auswahl der Musiker und Szeneleute, mit denen die beiden eher dem Rock nahestehenden Autoren gesprochen haben, viel Erratisches hat; in Berlin sind zum Beispiel an jüngeren Musikern die Mighty Oaks, Mitglieder der Band Die Höchste Eisenbahn oder Judith Holofernes dabei. Nein, enttäuschender ist, dass Krohns und Lödings Buch die selbstgestellten Fragen kaum beantworten kann. Die Magie der Popstädte fängt es kaum ein, geschweige denn, was die Essenz dieser Magie ausmachen könnte.

„Sound Of The Cities“ hat den Charme eines Fanzines - und ist leider schlecht geschrieben

Zudem sind die Pop-Stadt-Reportagen nicht gut geschrieben. Dauernd heißt es „Wir treffen uns mit“, immer wieder kommt etwas „zur Blüte“; oder es „breitete sich“ der Punk aus, „schossen“ Fanzines „aus dem Boden“, drückt ein Musiker „uns pechschwarzen Kaffee in die Hand“. „Sound Of The Cities“ hat den Charme eines Fanzines – und den eines Lexikons mit seinen „Mixtape“- und „Pop-Spots“-Anhängen. Letztendlich haben sich die Autoren aber verhoben. Zumindest weiß man am Ende, dass jede Stadt mitsamt ihrer Popszene wenigstens ein eigenes Buch braucht.

Philipp Krohn & Ole Löding: Sound Of The Cities. Eine popmusikalische Entdeckungsreise. Rogner & Bernhard, Berlin 2015. 416 Seiten, 22,95 €.

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