John Cage : Längstes Musikstück der Welt erlebt Klangwechsel

Das auf 639 Jahre angelegte, längste Musikstück der Welt hat am Samstag an der John-Cage-Orgel in Halberstadt einen der seltenen Klangwechsel erlebt. Es war der sechste in der Geschichte der im Jahr 2001 begonnenen Aufführung des Stücks "ORGAN2/ASLSP".

HalberstadtDer Komponist John Cage gab vor, das Stück "so langsam wie möglich" zu spielen ("as slow as possible"). In der mit mehr als 1000 Musikfreunden besetzten ehemaligen Burchardi- Klosterkirche in Sachsen-Anhalt war es um 15.33 Uhr soweit.

Staatsminister Rainer Robra (CDU) und der Halberstädter Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) gaben zu den vier bestehenden zwei weitere Töne - ein As und ein C - frei. Vor zahlreichen Ehrengästen brachten sie an der noch kleinen, in Etappen wachsenden Cage-Orgel zwei weitere Pfeifen an.

Klangwechsel in großer Kulisse

Zum Klangwechsel hatte die Stadt eine große Kulisse geplant, die ähnlich experimentell war wie das Werk von John Cage (1912-1992). Unter anderem wurden zahlreiche Konzerte in den Kirchen der Stadt geboten. Der Klangwechsel am Samstag war nicht der einzige in diesem Jahr, für den 4. November ist ein weiterer geplant.

Halberstadt ist Aufführungsort des Stückes, weil dort 1361 die erste Großorgel der Welt gebaut wurde. Zum Jahrtausendwechsel 2000 war dieser Meilenstein der Musikgeschichte genau 639 Jahre her. Ort und Geburtsstunde des Cage-Projekts waren mit diesen Überlegungen gefunden: In Halberstadt sollte das Stück von Cage für die Dauer von 639 Jahren aufgeführt werden, gespiegelt an der "Zeitachse" des Jahres 2000. Die Cage-Partitur wurde für dieses Vorhaben rasterartig eingeteilt, neunmal 71 Jahre.

Cage-Orgel soll weiter ausgebaut werden

Im Laufe der Jahrhunderte soll die bereits im In- und Ausland berühmte Cage-Orgel weiter ausgebaut werden und eines Tages insgesamt 180.000 Euro kosten. Für deren Finanzierung hatte die Stiftung eine originelle Idee: Interessierte können für 1000 Euro einzelne Klangjahre kaufen, eine Namensplakette in der Kirche inklusive. (dm/dpa)

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