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12. Re:publica : Frauen sichtbar machen

04.05.2012 15:37 Uhrvon
Frauen und Männer auf der Re:publica. Dort ist die Frauenquote inzwischen so, wie Ursula von der Leyen sie sich wünscht. Foto: dpaBild vergrößern
Frauen und Männer auf der Re:publica. Dort ist die Frauenquote inzwischen so, wie Ursula von der Leyen sie sich wünscht. - Foto: dpa

Auf der Re:publica sind inzwischen rund ein Drittel der Vortragenden Frauen – mehr als auf den meisten anderen Webkonferenzen. Wie Frauen im Web 2.0 und in der Internetbranche noch sichtbarer werden können, darüber wird gestritten. Vor allem von Frauen.

Nach 34 Minuten sagt Julia Seeliger: „Ich bin am Ende meiner Kräfte angelangt.“ Da ist es kurz nach halb acht am Donnerstagabend, draußen vor der Station Berlin wechselt die Re:publica den Aggregatzustand von Konferenz zu Party. Leute spülen die Debatten des Tages mit einem Bier herunter und atmen endlich die laue Sommerluft. Ein paar hundert aber harren noch aus im stickigen Dunkel vor Bühne 2. Oben sitzen die Bloggerin und Journalistin Julia Seeliger und die Piratin Julia Schramm, seit fast einer Woche Beisitzerin im Vorstand der Partei.

Der Titel der Veranstaltung lautet „Trollen oder getrollt werden, Female Trolling ja oder nein“ und das Ausharren lohnt sich, denn es ist sicherlich eine der skurrilsten Veranstaltungen der Konferenz.

Es geht irgendwie um den Feminismus im Allgemeinen und feministische Webseiten im Besonderen, es geht darum, ob Frauen im Web 2.0 häufiger „Trollkommentaren“ ausgesetzt sind, also herabsetzenden und unsachlichen Angriffen. Es geht darum, ob und wie zurückgetrollt werden darf und wie Frauen sich sonst wehren können oder nicht. Dabei oszilliert der Auftritt der beiden zwischen Kunst und Pamphlet, zwischen lustig und langweilig. Julia Schramm hält sich die ganze Zeit über einen pinken Regenschirm über den Kopf, Julia Seeliger beginnt den Vortrag halb versteckt unter einer Kapuze (mit Troll-Ohren). Es entspinnen sich furiose Gaga-Dialoge zwischen dem Publikum und den beiden Frauen auf der Bühne, es wird hin- und hergetrollt.

Seeliger: „Es wird gesagt [auf feministischen Blogs], dass Männer prinzipiell übergriffig sind, das äußere sich beim Sex, das äußere sich, wenn der Mann der Frau aus dem Mantel hilft.“

Gejohle im Saal.

Seeliger: „Bitte, was? Bitte lauter pöbeln.“

Mann aus dem Publikum: „Ihr seid doch nur Männerhasser!“

Julia Schramm: „Männerhasser-Innen!“

Mann im Publikum: „Sagt doch mal was zu Frauenparkplätzen.“

Nach einer Viertelstunde, weiß niemand mehr, was davon Parodie und was Ernst ist. Irgendwann tritt eine junge Frau entnervt an das Saalmikro und sagt, sie halte die Ambivalenz jetzt nicht mehr aus.

Dass bis zum Schluss nicht ganz klar ist, ob Schramm und Seeliger das Publikum gezielt zu antifeministischen oder frauenfeindlichen Trollkommentaren provozieren wollten und / oder ernsthaft über Frauen im Netz sprechen, liegt wohl zum einen an mangelnden Absprachen zwischen den beiden Vortragenden. Zum anderen aber auch daran, dass das Publikum keinerlei intuitive Erwartung an die Haltung von zwei Frauen zu diesem Thema haben kann. Denn niemand ist sich so uneins über das Thema wie die Frauen selbst.

Einen Tag zuvor, Bühne sieben. Die Sonne scheint hell in den Saal, deshalb kann man das Video, in dem gerade Dörte zum Publikum spricht, nicht so gut erkennen. Hören kann man sie aber. Sie berichtet, wie sie einmal zu einem Bar-Camp gegangen ist, dort wurde sie als Rednerin ausgewählt. Im letzten Moment aber bekam sie kalte Füße, beinahe wäre sie nicht nach oben gegangen, wäre da nicht ein Netzwerk gewesen, das sie unterstützt hat. „Das war großartig für den letzten Kick, den Frau manchmal einfach braucht“, bedankt sie sich.

re:publica12
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