„Roberto Devereux“ mit Edita Gruberova : Ein Königreich für einen Tenor

Ein vollkommenes Belcanto-Glück: Gaetano Donizettis Oper „Roberto Devereux“ mit Edita Gruberova und spannenden jungen Sängerin als konzertante Aufführung in der Philharmonie.

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Sängerin Edita Gruberova.
Sängerin Edita Gruberova.Foto: dpa

Hier gilt mal wieder der alte Intendantenspruch: „Aus welchem Fenster das Geld rausgeworfen wird, entscheide immer noch ich!“ Bei den Anzeigen im Vorfeld dieser konzertanten Donizetti-Aufführung war in Riesenlettern nur der Werktitel zu lesen: Doch wer kennt schon „Roberto Devereux“? Ganz winzig dagegen tauchte Edita Gruberovas Name in den Annoncen auf – dabei waren am Mittwoch in der Philharmonie mindestens 90 Prozent der Besucher ihretwegen gekommen. Wer die primadonna assoluta des Belcanto ins Kleingedruckte verbannt, nur weil die Werbeagentur der Deutschen Oper das in ihren Druckvorlagen so vorschreibt, kann den Medienetat auch gleich öffentlich verbrennen.

Schon durch ihre Auftrittsarie macht Gruberova die Philharmonie zum Hexenkessel: Denn auch im 46. Jahr ihrer Karriere ist sie immer noch ein Ereignis. Gar nicht so sehr des blitzenden Stahls ihres Soprans wegen, sondern dank ihrer Interpretationsraffinesse, der emotionalen Schattierungen in den Rezitativen, der Schwelltöne, die staunen machen, vor allem, wenn sie in lichter Höhe eine Note ins feinste Pianissimo zurücknimmt. Hinter der stupenden Virtuosität die Seele aufscheinen zu lassen, bei aller majestätischen Aura, mit der sie die Elisabetta umgibt, auch Mitleid für die Nöte der Königin erregen zu können, das ist die hohe Kunst der Edita Gruberova.

Leidenschaft bei Celsco Albelo

Den Mann, der sie verschmäht, den sie darum aufs Schafott schickt, um im letzten Moment dann doch ihre Krone auszusetzen für den, der ihr Roberto unversehrt zurückbringt, diesen Titelheld singt Celso Albelo. In seinem attraktiven, lyrischen Tenor steckt Leidenschaft – nur eben nicht für die Regentin. Zärtlich formt er die Gesangslinien, weiß aber auch, wie man effektvolle Peng-Töne platziert.

Seine Angebetete ist mit Veronica Simeoni ideal besetzt: Maximal kontrastierend zu Gruberova, ein Mezzosopran von samtigem Glanz und geschmeidiger Phrasierung. Die große Entdeckung des Abends aber ist Davide Luciano als Nottingham: Was für eine Bühnenpräsenz, was für ein herrlicher, aristokratischer Bariton! Dass ausgerechnet er, der Sympathieträger, der sich in so mitfühlende Kantilenen verströmen kann, der Verlierer dieser Oper ist – von Frau und Freund hintergangen – das ist wahre Tragik.

Heißblütige Italianità

Prachtvoll singt der Chor der Deutschen Oper (Einstudierung: William Spaulding), Dirigent Pietro Rizzo findet stets den richtigen Puls der zwischen Melodieseligkeit und Erregung oszillierenden Musik, animiert das Orchester zu heißblütiger Italianità.

Keine Sekunde lang vermisst man an diesem Abend übrigens eine Inszenierung des Dreiecksdramas, das 1601 in England spielt. Weil sämtliche Solisten es verstehen, ihre Figuren allein durch die Kraft des Gesangs als „echte“, liebende, leidende Menschen lebendig werden zu lassen. Ein vollkommenes Belcanto-Glück.

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