Science-Fiction-Film: "Seelen" : Außerirdisch verliebt

Die "Gattaca"-Legende Andrew Niccol liefert das Setting, die "Twilight"-Legende Stephenie Meyer das Feeling. Fertig ist die Sci-Fi-Teenie-Romanze "Seelen". Und einen kleinen Knacks hat sie auch.

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Auf der Flucht vor den Außerirdischen. Melanie (Saoirse Ronan). Foto: Concorde
Auf der Flucht vor den Außerirdischen. Melanie (Saoirse Ronan).Foto: Concorde

Das Ende der Menschheit hat auch seine guten Seiten. Die Außerirdischen, die in „Seelen“ die Macht über die Erde übernommen haben, kennen keine Lügen, keinen Neid, keine Gier, keine Gewalt. Sie handeln stets im Interesse ihrer Gemeinschaft. Es muss für sie ein Kinderspiel gewesen sein, den Klimawandel zu stoppen. Die Patienten in ihren Krankenhäusern brauchen kein einziges Formular auszufüllen, und in ihren Supermärkten gibt es keine Kassen.

Krankenhäuser und Supermärkte haben sie, weil sie bei allen Unterschieden den Menschen in Aussehen und Lebensweise stark ähneln. Das liegt daran, dass es sich bei ihnen um Parasiten handelt, die sich in die Körper von Menschen einnisten und diese kontrollieren. Äußerlich lassen sie sich nur durch einen leuchtenden Ring um die Pupille von den nicht befallenen Menschen unterscheiden.

So positiv der Effekt dieser pazifistischen Superrasse auf die Erde auch sein mag, so verständlich ist es doch, dass sich die wenigen verbliebenen Menschen gegen ihre Ausrottung auflehnen. Sie leben in Verstecken, ihre Zahl schwindet rapide. Rebellen, die von den Aliens – darunter der von Diane Kruger gespielten „Sucherin“ – gefasst werden, bekommen eine außerirdische Seele implantiert, die in ihren Erinnerungen nach Hinweisen auf andere Widerständler sucht. Eine Methode, befallene Menschen von ihren Parasiten zu befreien, gibt es nicht.

So währt auch bei Jeb (William Hurt), der sich mit Freunden und Verwandten in den Höhlen einer Bergkette in der Wüste New Mexicos verborgen hält, die Freude nicht lange, als er seine tot geglaubte Nichte Melanie (Saoirse Ronan) wiederfindet – ihre Augen verraten, dass sie nicht mehr die Melanie ist, die er kennt. Entgegen ihren Gepflogenheiten bringt die Gruppe sie jedoch nicht um, sondern nimmt sie bei sich auf. Denn es gibt eine Fähigkeit, die die Menschen den Aliens voraushaben: Empathie.

Unter den Menschen lernt die Außerirdische, die von der Gruppe „Wanda“ genannt wird, ihre irrationalen, aufbrausenden und sentimentalen Mitbewohner kennen und nimmt allmählich selbst menschliche Eigenschaften an. Doch Jeb und die anderen, darunter Melanies Freund Jared und ihr kleiner Bruder Jamie, wissen nicht, dass auch Melanie noch da ist. Wanda hat zwar die Kontrolle über ihren Körper, aber Melanie kann als innere Stimme mit ihr kommunizieren. Dieses Geheimnis behalten die beiden Seelen in Melanies Brust allerdings für sich, weil man, so fürchten sie, es ohnehin nicht glauben würde.

Spätestens jetzt macht es sich nachteilig bemerkbar, dass der Film auf einer Romanvorlage von „Twilight“-Autorin Stephenie Meyer basiert. Was als leidlich originelles Science-Fiction-Szenario begann, mutiert im Mittelteil zu einer Teenie-Schmonzette über kernige Kerle und melancholische Mädchen, die sich nach ihnen verzehren. Es ist nämlich so: Jared ist noch immer in Melanie verliebt, aber wenn er sie küsst, wird Melanie wütend, denn Jared küsst eigentlich Wanda. Jareds Rivale Ian ist in Wanda verliebt, aber wenn er sie küsst, wird Melanie wütend, denn sie ist in Jared verliebt. Und die Rivalen sind natürlich von Haus aus wütend aufeinander. So küssen und schlagen sie sich in wechselnden Konstellationen, schmachten, schwelgen und schweigen sehnsuchtsvoll.

Nicht viel retten kann da Andrew Niccol, der Meyers Roman zu einem Drehbuch umschrieb und Regie führte. 1997 machte der Neuseeländer mit seinem Debüt „Gattaca“ als so begabter wie ambitionierter Science-Fiction-Regisseur auf sich aufmerksam, 1998 wurde er mit seinem Drehbuch für „Die Truman Show“ für einen Oscar nominiert. Die folgenden Filme „Lord of War“ und „In Time“ hielten nicht, was der verheißungsvolle Karrierebeginn versprach, und es ist schade, dass auch der neue Stoff nicht viel mehr hergibt als ein bisschen Cowboys gegen Aliens, ein bisschen „Avatar“ mit umkehrten Vorzeichen und jede Menge unmögliche Teenagerliebe. Wie seine Heldin wird der Film von widerstreitenden Kräften aufgezehrt, jedoch mit wenig Aussicht auf ein Happy End. In den USA ist „Seelen“ herb gefloppt. David Assmann

In 16 Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar SonyCenter

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