Sergej Michalkow : Verfasser der Sowjet-Hymne gestorben

1943 schrieb er im Auftrag Stalins den Text der Sowjet-Hymne. Jetzt ist Sergej Michalkow im Alter von 96 Jahren in Moskau gestorben.

Der Dichter der sowjetischen und der russischen Nationalhymne, Sergej Michalkow, ist im Alter von 96 Jahren in Moskau gestorben. 1943 hatte Michalkow im Auftrag des Diktators Josef Stalin den Text der Sowjet-Hymne zur Musik des Komponisten Alexander Alexandrow geschrieben. Sie ersetzte damals die Internationale und begann mit den Worten: „Die unzerbrechliche Union der freien Republiken vereinigt für die Ewigkeit.“ Im Jahr 2000 verfasste Michalkow dann auch den Text zu der vom damaligen Präsidenten Wladimir Putin wiedereingeführten Melodie, nachdem in Russland jahrelang das „Patriotische Lied“ von Michail Glinka gespielt worden war.

Die neue Hymne erklang erstmals seit dem Ende der Sowjetunion 1991 wieder in der Neujahrsnacht auf 2001. Liberale Politiker kritisierten damals die Wiederaufnahme als Verherrlichung von Sowjetsymbolen und erinnerten an die Millionen Opfer der Diktatur. Wladimir Putin hingegen sagte: „Die Hymne ist mehr als ein Symbol. Ohne sie kann man nicht leben. Wir werden die Verstimmungen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart überwinden.“ Der neue Text Michalkows beginnt mit den Worten: „Russland – unser heiliger, mächtiger Staat. Russland – unser geliebtes Land.“ In Umfragen hatte sich die Mehrheit der Russen zu der Melodie bekannt. Neben der Hymne schrieb Michalkow zudem in Russland weit bekannte Kinderbücher, Theaterstücke und Gedichte. Er beteiligte sich aber auch an sowjetischen Hetzkampagnen gegen Dissidenten, darunter Autoren wie die Literaturnobelpreisträger Boris Pasternak („Doktor Schiwago“) und Alexander Solschenizyn („Archipel Gulag“). Michalkow ist Vater der bekannten russischen Regisseure Andrej Kontschalowski und Nikita Michalkow, der 1995 für „Die Sonne, die uns täuscht“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. dpa

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