Suhrkamp-Insolvenz : Endlich pleite

Nach der neuesten Wendung, der Einleitung des Insolvenzverfahrens: Wird nun alles gut bei Suhrkamp?

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Leselust unter Regenbogen. Vor allem die „Edition Suhrkamp“ begründete ab 1963 den Ruf des Verlags als geistige Heimat der linken Intelligenz.
Leselust unter Regenbogen. Vor allem die „Edition Suhrkamp“ begründete ab 1963 den Ruf des Verlags als geistige Heimat der linken...Foto: dpa

Man war am Mittwoch nach der neuesten Wendung im Suhrkamp-Streit doch einigermaßen erstaunt darüber, wie von Seiten der zwar durch ein Gerichtsurteil abberufenen, aber bis zu einer Berufungsverhandlung noch amtierenden Geschäftsführung die Einleitung eines Insolvenzverfahrenes untergründig begrüßt wurde. Endlich, die Insolvenz! Endlich die Bestätigung dafür, Schulden nicht mehr zahlen zu können, zahlungsunfähig zu sein! Endlich pleite! Ja, klar, und endlich die Möglichkeit, die Gesellschaftsform zu ändern, eine Aktiengesellschaft zu werden. Was, wie der Verlag vermeldete, dessen „Existenz sowie Handlungs- und Planungsfähigkeit“ sichere. Und weiter: „Damit verbunden ist der Erhalt sämtlicher bestehender Arbeitsplätze.“

Natürlich ist diese Insolvenz unter anderem deshalb angemeldet worden, um dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach seines Einflusses zu berauben und in seinen Rechten zu beschneiden – ein „genialer Schachzug“, wie es häufig hieß. Und der Insolvenz-Generalbevollmächtigte für Suhrkamp, Frank Kebekus, sprach in einem Radio-Interview davon, dass die Insolvenz die Möglichkeit biete, den Verlag solcherart neu zu ordnen, „dass die Mitarbeiter, die Autoren und die Leserschaft auch in den nächsten Jahrzehnten hier einen tollen Verlag vorfinden“.

Er warnte aber auch: „Die Insolvenz ist kein Wunschkonzert.“ Schließlich hat jetzt der Gläubigerausschuss das Wort, die Geschäftspartner des Verlags, unter anderem Autoren, Lizenzgeber, Druckereien. Der Ausschuss stimmt ja nicht nur über die Umwandlung der Rechtsform ab: Am Ende müssen nicht nur die zerstrittenen Suhrkamp-Gesellschafter auf viel Geld verzichten, sondern vielleicht auch Autoren und Lizenzgeber. Wie vorstellbar ist das? Erstaunlich ist auch, wie geschlossen die Suhrkamp-Autorenschaft hinter Unseld-Berkéwicz und der Geschäftsführung zu stehen scheint. Sicher steht sie geschlossen gegen Barlach. Aber überlegt sich wirklich niemand, den Verlag zu verlassen? So wie es seinerzeit beim insolventen Aufbau Verlag passiert ist, als für Aufbau wichtige Autoren wie Thomas Lehr und Tanja Dückers weggingen. Wie sieht es im Ausland aus, bei den Agenten von Suhrkamp-Autoren, die zwar Tradition schätzen, aber lieber noch Bücher ordentlich bezahlt und vermarktet wissen wollen?

Fraglich ist zudem, ob neue Investoren wie das zuletzt oft genannte Sammler-Ehepaar Ströher oder ein anderer Verlag nur stille Teilhaber sein werden – oder nicht auch viel Gestaltungswillen mitbringen. Eine neue Geschäftsführung wird es geben, aber auch schlankere Strukturen sind denkbar, wenn nicht gar notwendig: etwa die Straffung von Reihen und Programmen. Einfach wie bisher weitermachen, mit einem entmachteten Barlach oder ohne ihn, wird für Ulla Unseld-Berkéwicz nicht möglich sein. Sollte der Suhrkamp Verlag als „toller Verlag“ fortbestehen, so wird er doch eines sicher werden: ein anderer Verlag.

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