Kultur : Tannenberg: Schlachtfeld der Nationalmythen?

Anlässlich des 600. Jahrestages der Schlacht bei Tannenberg lädt das Deutsche Kulturforum östliches Europa am morgigen Freitag und am Samstag zu Filmen, Vorträgen und einer Podiumsdiskussion ins Filmmuseum und ins Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte ein.

IF !VML]Die Schlacht bei Tannenberg/Grunwald im Jahr 1410 gilt als eine der größten und letzten Schlachten des Mittelalters. Über vier Jahrhunderte später begann „das zweite Leben“ dieser Schlacht, die zu einem der wichtigsten Symbole für die Identitätskonstruktionen der Polen und der Litauer wurde.

Seit dem 19. Jahrhundert gehört die Schlacht bei Tannenberg zum Nationalmythos Deutschlands, Polens und Litauens. Bis heute spricht sie die geschichtspolitischen Bedürfnisse eines großen Publikums an und prägt das Geschichtsbild der Nachbarn vom jeweils Anderen. Die deutsche Perspektive ist zusätzlich durch die zweite große Schlacht bei Tannenberg 1914 dominiert, die den Verlauf des Ersten Weltkrieges wesentlich beeinflusste und zu einem nationalistischen Mythos in Deutschland wurde, der erst mit dem untergegangenen „Dritten Reich“ starb. Diese Nationalmythen wurden – und werden noch immer – durch literarische und künstlerische Werke untermauert.

Bei der international besetzten populärwissenschaftliche Konferenz werden die Schlachten selbst und diese Mythen thematisiert sowie hinterfragt. Die Veranstalter haben dazu renommierte Wissenschaftler eingeladen, die in Form von Vorträgen und Diskussionen versuchen werden, nicht nur den aktuellen Stand der Forschung über die Schlacht bei Tannenberg darzustellen, sondern auch die universellen Aspekte der Konstruktion des Kollektivgedächtnisses aufzuzeigen. Untersucht wird die Rezeption der Nationalmythen damals und heute, ihre identitätsstiftende Wirkung sowie die Darstellung der Schlacht in der Kunst, Musik, Literatur und im Film.

Die Tagung bietet die Möglichkeit, gemeinsam mit ausgewiesenen Experten das Thema aus verschiedenen nationalen Sichtweisen herauszulösen und einen europäischen Blick auf den Erinnerungsort zu gewinnen. kip

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