Urheberrechtsdebatte : Bernadette La Hengst: Kopier! Mich!

Ein Label ist wichtig, weil ansonsten zu viel Zeit und Energie für die Eigenvermarktung draufgeht: Die Musikerin Bernadette La Hengst lebt von ihrer Musik - und arbeitet zudem in der freien Theaterszene.

Bernadette La Hengst
Foto: Trikont
Foto: Trikont

Ich konnte in den neunziger Jahren nicht von der Musik leben. Mit Die Braut haut ins Auge hatten wir einen Plattenvertrag bei einer Major-Firma, bekamen aber keine Vorschüsse. Ich habe Straßenmusik gemacht, in einem Kindergarten gearbeitet, im NDR-Archiv, als Gitarrenroadie oder in einem Stofflager. Mit dem Ende der Braut habe ich dann ernsthaft nach Alternativen gesucht. Ich gründete eine weibliche Booking Agentur und arbeitete bei einem Indie-Label als Promoterin. Nach drei Jahren merkte ich, dass mich die Arbeit für andere Künstler auffrisst. Ich begann Solokonzerte zu geben, etwa 60 pro Jahr.

Davon konnte ich ein paar Jahre ganz okay leben, allerdings nur, weil ich alleine unterwegs war. Die Gagen waren nie hoch genug, dass ich sie mit einer Band hätte teilen können. Das hat mich autark gemacht, aber auch einsam. Nach meinem ersten Soloalbum bekam ich den Künstlerinnenpreis NRW. Die meisten Männer haben mich ein wenig neidisch belächelt. Ich hätte auch lieber einen geschlechts-unspezifischen Preis bekommen, war aber dankbar für die 10 000 Euro, mit denen ich mir ein kleines Studio einrichtete. Andere Förderungsmöglichkeiten für PopmusikerInnen gab es zu der Zeit nicht, ganz im Gegensatz zur staatlich subventionierten Theater- oder Kunstwelt.

Ab 2003 wurde ich von verschiedenen Regisseuren und Theatern angefragt, für Projektstücke über die Erforschung gesellschaftlicher und politischer Zusammenhänge, oft in Kooperation mit Laien. Ich arbeite zum Teil in der freien Theaterszene, wo man Geld beantragen muss, um ein Projekt zu realisieren. Bei Stadttheatern schlägt man ein Thema vor, und wenn es dem/der IntendantIn gefällt, wird es ohne „Antrags-Prosa“ umgesetzt. Außerdem habe ich ein paar Hörspiele produziert, die vor allem bei Wiederholungen in verschiedenen Sendern gut bezahlt werden.

Es wurde allerdings immer schwieriger, Alben zu veröffentlichen. Mein Label Trikont hat überlebt, weil ein paar erfolgreiche Bands kleinere Produktionen mittragen. Für mich ist ein Label immer noch wichtig, sonst würde ich zu viel Zeit mit der Eigenvermarktung verbringen. Copy me (I want to travel), heißt eines meiner Lieder. An die Botschaft glaube ich noch immer, weil es MusikerInnen wie mir nutzt, durch Plattformen wie Youtube verbreitet zu werden, auch ohne dafür direkt bezahlt zu werden. Das bedingungslose Grundeinkommen könnte allen eine Existenzgrundlage bieten, die auch den Wert von künstlerischer Arbeit in der Gesellschaft neu definiert.

Bernadette La Hengst, 44, spielte bei der Girl-Beat-Band Die Braut haut ins Auge. Seit 2000 arbeitet sie solo. Ihr Stück „Integrier mich, Baby! läuft im Hamburger Thalia Theater.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben