Warum Musikschulen so wichtig sind : Die Vielharmoniker der Stadt

Die Klassikszene in Berlin blüht, für Nachwuchskünstler sieht es weniger rosig aus: Viele Musikschulen leiden unter massiven Kürzungen. Für ihre Rettung setzen sich jetzt sogar die Philharmoniker ein.

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Kleines Mädchen mit einer Kindergeige
Früh übt sich: Viele Kinder machen in Musikschulen ihre ersten instrumentalen Erfahrungen.Foto: David Ebener/dpa

Das wäre doch mal eine interessante Statistik: Wie viele junge Talente müssen eigentlich die Musikschule durchlaufen, damit am Ende ein Berliner Philharmoniker dabei herauskommt? Fünfhundert, fünftausend? Wie hoch die genaue Zahl auch ausfallen mag – das Tolle daran ist, dass all jene, die es nicht bis in den Klassik-Olymp schaffen, der klingenden Kunst ja trotzdem erhalten bleiben. Weil sie – in jungen Jahren an Mozart, Beethoven und Co herangeführt – die sogenannte ernste Musik für immer als Teil ihres Lebens mitnehmen, als selbstverständliche Möglichkeit der Freizeitgestaltung. Sie werden vielleicht in einem der Berliner Laienorchester mitspielen oder in einem der mehr als 1500 Chöre der Hauptstadt singen. Vielleicht ziehen sie es auch vor, Live-Darbietungen einfach aus der Zuhörer-Perspektive zu genießen, mit hohem Verständnis für die spieltechnische Meisterschaft der Profis, als intensiv mitfühlendes und mitdenkendes Publikum.

Aktive und ehemalige Musikschüler sind also der Humus, der blühende Kulturlandschaften erst möglich macht. Darum müsste der Politik das Wohl dieser Volksbildungsinstitute eigentlich besonders am Herzen liegen. Leider ist das in Berlin nur punktuell der Fall. In den gutbürgerlichen Bezirken Steglitz und Zehlendorf beispielsweise muss die Musikschule regelmäßig bluten, wenn akute Finanznot mal wieder Sparrunden auslöst. Dabei sind die Instrumentallehrer in Berlin besonders günstig zu haben, gibt es hier doch die fatale Tradition, fast ausschließlich Honorarkräfte zu beschäftigen. Im Bundesdurchschnitt dagegen erhalten 75 Prozent der Mitarbeiter in Musikschulen Festanstellungen.

Auch die Philharmoniker setzen sich für die Musikschulen ein

Dass die Lehrer jede Stunde einzeln abrechnen müssen, verursacht einen enormen Verwaltungsaufwand. Doch gerade in diesem Bereich werden bei der Leo-Borchardt-Musikschule Steglitz-Zehlendorf demnächst die Verträge von drei befristet Angestellten auslaufen. Von zwei neuen Planstellen, die Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski versprochen hat, ist dagegen erst eine geschaffen worden.

Der Förderverein der Musikschule hat darum jetzt eine Unterschriftenaktion „gegen die schleichende Demontage“ der Institution organisiert. Angeführt wird die lange Liste der Unterstützer übrigens von den Namen derer, die den nachhaltigen Nutzen musischer Breitenarbeit am besten einschätzen können: sämtlichen Mitgliedern der Berliner Philharmoniker nämlich, einschließlich ihres Chefdirigenten Simon Rattle.

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