Kultur : Was Männer wünschen

Plump:  „Alles erlaubt“ von den Farrelly-Brüdern

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Foto: WarnerFoto: Peter Iovino

Vom Literaturwissenschaftler Leslie Fiedler stammt die These, die amerikanischen Romane von Weltrang spielten sich auf dem emotionalen Niveau von Teenagern ab. Als Beispiele dienen ihm Klassiker wie „Moby Dick“, „Tom Sawyer“ oder „Der Fänger im Roggen“. Eine einleuchtende These, aber gilt sie nur für Werke der Weltliteratur? Immerhin ernähren sich viele erwachsene Amerikaner tagtäglich so, wie man es anderswo eher an Kindergeburtstagen tut, mit Hamburgern, Pommes und Limonade aus dem Halm.

Leslie Fiedlers Befund trifft erst recht auf Filme zu, besonders auf Komödien. Nicht erst seit „American Pie“ gehören die libidinösen Wirren des Heranwachsens zu ihren beliebtesten Sujets. Teenagerprobleme auf Teenagerniveau – niemand hat diese Erfolgsformel für US-Komödien so perfektioniert wie der Regisseur, Autor und Produzent Judd Apatow („Beim ersten Mal“, „Superbad“, „Nie wieder Sex mit der Ex“). Und mit „Jungfrau (40), männlich, sucht“ hat er bewiesen, dass derlei Probleme nicht nur Teenagern zu schaffen machen.

„Alles erlaubt – Eine Woche ohne Regeln“ will offensichtlich auf dieser Erfolgswelle mitschwimmen. Rick (Owen Wilson) und Fred (Jason Sudeikis) stehen – eigentlich – mitten im Leben: beruflich erfolgreich, glücklich verheiratet, Rick hat sogar zwei Kinder. Innerlich sind sie jedoch, positiv formuliert, junggeblieben, sie können gar nicht anders als anzügliche Witze zu reißen und Frauen hinterherzugucken. Bis ihre genervten Ehefrauen beschließen, ihnen eine einwöchige Auszeit zu gewähren, in der die beiden anstellen dürfen, was sie wollen.

Die Konstellation erinnert ziemlich genau an „Superbad“, wo drei Freunde unbedingt ihre Unschuld verlieren wollen, so lange sie noch auf der Highschool sind. Vergebliche Anmachversuche versprechen Fremdschampotenzial, erfolgreiche Versuche verheißen Sex, dazu ein bisschen Zeitstress: Die Formel ist so alt wie erfolgreich. Leider aber lassen die regieführenden Farrelly-Brüder die notwendige Mühsal bei der Figurenentwicklung vermissen. Dabei lebten doch ihre Filme, „Dumm und Dümmer“, „Kingpin“ und auch „Verrückt nach Mary“ von einen Humor, der maßgeblich durch seine komischen Charaktere entsteht. Doch Fred und Rick sind so hundsgewöhnlich wie ihre Namen, so fad wie das Personal eines „Kennt-ihr-das-auch“Sketchs à la Mario Barth.

Das wäre noch zu verschmerzen, wenn es dem Film gelänge, seine männlichen Abziehbilder in außergewöhnliche Situationen zu verwickeln. „Hangover“ zum Beispiel, der neben den Apatow-Filmen offensichtlich Pate gestanden hat, funktioniert gerade wegen seiner aberwitzigen Wendungen. „Alles erlaubt“ dagegen beschränkt sich uninspiriert aufs Standard-Repertoire. Angesichts der Tatsache, dass sich erwartungsgemäß ein Gutteil der Komik unter der Gürtellinie abspielt, ist der Film so nur für Leute witzig, die Koitus und Kot allein schon lustig finden. Und das Finale? Unerträglich. So verklemmt und konservativ sind nicht mal amerikanische Teenager.

In zehn Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar SonyCenter

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