Weihnachtsgeschichte der Augsburger Puppenkiste : Bruchlandung in Bethlehem

Von der Augsburger Puppenkiste stammen Fernsehklassiker wie "Jim Knopf" und "Urmel aus dem Eis". Jetzt hat die Marionettenbühne die "Weihnachtsgeschichte" verfilmt.

von
Durch die Wüste. Auf dem Weg nach Bethlehem finden Maria und Josef ein Nachtlager bei einem Reisenden und seiner Gefährtin Esther. Foto: FS/Kiko
Durch die Wüste. Auf dem Weg nach Bethlehem finden Maria und Josef ein Nachtlager bei einem Reisenden und seiner Gefährtin Esther.Foto: FS/Kiko

Krawumm! Eine Staubwolke stiebt. Die Hühner gackern aufgeregt. Da scheint was Mächtiges vom Himmel gefallen zu sein. Mitten in einen Hinterhof in Nazareth. Schon arbeitet sich eine weiße Gestalt mit flauschigen Flügeln hinter der Lehmhütte des Zimmermanns Josef hervor. „Schalom“, grüßt der eher onkelige als heilige Götterbote auf Hebräisch und stellt sich Maria als Erzengel Gabriel vor. Er hat ihr eine überraschende Schwangerschaft samt Heilandsgeburt zu verkünden, worauf die Jungfrau berechtigte Bedenken anmeldet. So eine Szenenfolge aus Slapstick und Didaktik beherrscht im deutschen Puppentheater niemand besser als die Augsburger Puppenkiste.

Deren zauberhaft, souverän zwischen gemütlich und modern mäandernde Marionettenversion der "Weihnachtsgeschichte" nach den Evangelisten Lukas und Matthäus ist jetzt als 60-minütige Breitwandverfilmung zu sehen: aufgeführt in der Puppenkiste in sechs Akten und nun für drei Kameras eingerichtet, eingeführt vom hauseigenen Kasper, erzählt aus der Perspektive von Ochs und Esel. Wie aus den Klassikern „Jim Knopf“ oder „Urmel aus dem Eis“ bekannt, spielt Musik eine wichtige Rolle. In diesem Fall hat sich Puppenkistenchef Klaus Marschall für eine Art Klezmer-Stubenmusik entschieden, die die schön silhouettenhaft gehaltenen Kulissen orientalisch-europäisch umspielt.

Iah! Esel Noel macht einen Spaziergang durch Nazareth. Foto: FS/Kiko
Iah! Esel Noel macht einen Spaziergang durch Nazareth.Foto: FS/Kiko

Ein toller Effekt der Leinwand ist, dass man genau sehen kann, woraus die so saukomisch an ihren Strippen dahintapernden Gesellen bestehen: Holz, Wolle, Stoffreste – daraus wird in der Figur des reichlich räudig anzusehenden Esels Noel reine Magie. Ebenso gelungen ist das mit sanfter Frauenstimme (Carolin Sophie Göbel) Weises redende muslimische Kamel. Unnötig zu sagen, dass in der menschenfreundlichen Puppenkiste auch im gebeutelten Heiligen Land Religionen, Völker, Kreaturen friedlich miteinander sind. Nur die Besatzer, die Römer, die sind gemein!

Diesen Sonntag, am kommenden Adventswochenende und Heiligabend in 19 Berliner Kinos

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben