Young Euro Classic : Mit Strauss im Schleudersitz

Geigerin Hande Küden, Dirigent Cem Mansur und die Nationale Jugendphilharmonie der Türkei beim Young Euro Classic-Festival

Tomasz Kurianowicz
Musikerinnen und Musiker der Nationalen Jugendphilharmonie der Türkei Foto: Kai Bienert
Musikerinnen und Musiker der Nationalen Jugendphilharmonie der TürkeiFoto: Kai Bienert

Schon der Auftakt lässt das Blut in den Adern gefrieren: Im Konzerthaus am Gendarmenmarkt springt Dirigent Cem Mansur voller Elan aufs Podest und präsentiert mit der Nationalen Jugendphilharmonie der Türkei eine perfekt einstudierte Variante von Richard Strauss’ „Don Juan“. Man ahnt nichts Böses und fühlt sich plötzlich wie im Schleudersitz – so kraftvoll, kernig und irisierend klingt dieses Stück, das Strauss mit gerade mal 24 Jahren komponierte.

Die juvenile Energie ist Cem Mansurs Schlüssel zum Erfolg: In seinem Taktschwung wirkt die Magie eines Novizen, der sich mit viel Neugier seinem Repertoire nähert, ohne dabei naiv zu erscheinen. Gerade die Blechbläser weiß der Dirigent perfekt zu koordinieren und entlockt ihnen einen knisternden Schmelz.

Solistin Hande Küden spielt leidenschaftlich und doch klar

Einen ähnlichen Eindruck macht beim diesjährigen Young-Euro-Classic-Gastspiel der Türken Tschaikowskys Violinkonzert, interpretiert von der türkischen Geigerin Hande Küden: Sie spielt schnell, leidenschaftlich und doch bestechend klar. Sie füllt jede Sechzehntel mit einer borstigen Energie, sodass sich die romantische Tragik entfalten kann, die der hochdepressive und von der Liebe enttäuschte Komponist in das Stück hineinlegte. Nur im Finale hört man ein paar Ungenauigkeiten. Aber wen wundert's? Ein Spiel auf diesen Umdrehungen ist zwangsweise kräftezehrend.

Der zweite Teil wirkt nicht weniger energetisch: Cem Mansur präsentiert die deutsche Erstaufführung „Haydar Haydar“ der türkischen Komponisten Ali Ekber Çiçek und Ali Özkan Manav. Es ist ein schnelles, wuchtiges Stück, das zwischen klassizistischer Koketterie und orientalischer Epik wandelt. Auch hier werden die Blechbläser und vor allem die umtriebigen Schlagzeuger beansprucht, die dem hohen Tempo vorbildlich gerecht werden. Den Abschluss bilden dann Dvoráks „Symphonische Variationen“. Mansur macht sich einen Spaß daraus, immer wieder das Tempo zu wechseln: wie von einem Berg auf den Kulminationspunkt zuzurasen, um gleich wieder abrupt abzubremsen. Allen gefällt’s: Zwei laute Zugaben folgen.

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