Zum Tod von Peter Fitz : Der Geisteskopf

Er war ein hellwacher Darsteller, voller becketthafter Essenz. Jetzt ist Peter Fitz mit 81 Jahren ist in Berlin gestorben.

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Peter Fitz als Nathan der Weise am Berliner Ensemble.
Peter Fitz als Nathan der Weise am Berliner Ensemble.Foto: IMAGO

Wer ihn nur als gediegenen reichen Schwiegervater von Kommissar Brunetti aus den Donna-Leon-Krimis im Fernsehen kannte, hatte kaum eine Ahnung vom wirklichen Reichtum des Schauspielers Peter Fitz. Der 1931 in Kaiserslautern geborene Berliner war ein Großer, der oft im Feinen, Kleinen glänzte, der mehr die Intelligenz als die Muskeln spielen ließ. Seine Virtuosität war diskret. Als er 1982 in Klaus Michael Grübers genialer Goethe-Verdichtung neben Bernhard Minettis Faust an der Freien Volksbühne in West-Berlin den Mephisto spielte, war nur noch die vom Regisseur gewünschte becketthafte Essenz geblieben: des Teufels Schatten. Aber den fauchte Fitz ganz geistermeisterhaft auf die Bühne. Doch er konnte auch anders – als er zuvor in der Schaubühnen-Uraufführung von Ernst Jandls „Aus der Fremde“ einen eremitischen Schriftsteller in einen frenetischen Komiker verwandelte, mit verschraubten Gliedern und schier zungenbrechend, ein ganzes Künstlerdrama im Konjunktiv.

Was gibt es Geheimnisvolleres als die Klarheit, hat Paul Valéry einmal gefragt. Das galt für Fitz, gleich ob er Peter Steins Schaubühnen-Aufstieg begleitete, als Antikenspieler, der dem Kriegerischen immer einen Hauch Zivilität verlieh, oder als blitzgescheiter Botho-Strauß-Interpret. Unvergesslich auch die Beckett-Duette mit seinem Freund Otto Sander („Mercier und Camier“, „Ohio Impromptu“). Immer ein hellwacher Kopf, der Texte noch wirklich dachte und Gefühle nicht schwitzte, sondern als Politik der Nerven, Begierden, sehnsuchtsvollen Ängste vorführte.

Auch in der „Contergan“-Skandalverfilmung war er (als Firmenchef) souverän dubios präsent. Vor allem aber wirkte er durchs Theaterleben, an der Seite von Regisseuren wie Stein, Grüber, Hans Neuenfels, Robert Wilson, Luc Bondy, Cesare Lievi und Claus Peymann, dessen umjubelter weiser Nathan er am Berliner Ensemble bis vor kurzem war. Am Mittwoch ist Peter Fitz in Berlin mit 81 Jahren gestorben, nur wenige Tage nach Thomas Holtzmann. Nun fehlt dem Theater eine unvergleichliche Generation: die Brücke von gestern nach morgen.

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