„Alaska Johansson" : Alina Levshin sucht ein Gespenst 

Der süße Wahn: Shooting-Star Alina Levshin nimmt es als ungewöhnliche Headhunterin im ARD-Film "Alaska Johansson" mit der Realität nicht so genau.

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Alina Levshin.
Alina Levshin.Foto: HR/Katrin Denkewitz

Ein ungewöhnlicher Film. Ganz und gar ungewöhnlich. Zumal für diese Sendezeit: 20 Uhr 15. An „Alaska Johansson“ werden sich die Geister streiten, „Kunstkacke!“ die einen rufen. Die anderen: „Deutscher Fernsehpreis!“ Mindestens für die Hauptdarstellerin.

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Alina Levshin, im Gedächtnis wegen „ihres“ Neonazi-Mädchens in David Wnendts Spielfilm „Kriegerin“ sowie als ukrainische Zwangsprostituierte in Dominik Grafs Krimiserie „Im Angesicht des Verbrechens“, macht es sich und dem Zuschauer auch hier nicht einfach. Sie spielt eine top verdienenden Headhunterin, hinter deren Fassade sich plötzlich Risse auftun, als ihr Chef (Stefan Bissmeier als eiskaltes Arschloch) die Liaison mit ihr beendet. Alaska will sich umbringen, plötzlich tauchen ein Mädchen im Gespensterkostüm sowie ein neuer Nachbar (Stipe Erceg) auf, was die Welt der Frau vollends zum Einsturz und ein Familiengeheimnis zum Vorschein bringt. Die junge Frau hatte einst 42 Knochenbrüche. Ihr Vater (Alexander Held), ein Schönheitschirurg, hat sie perfekt geformt, zum Luxuskörper, der sich jetzt mit Nutella-Orgien und Brechanfällen schadlos hält.

Eine traumatisierte Frau, die zwischen Wirklichkeit und Wahn lebt. Das Ganze wirkt teilweise so surreal, als hätte sich ein ambitionierter deutscher Autor samt Regisseur in die Werkstatt eines David Lynch oder einer Mary Shelley begeben, der Schriftstellerin, die den Frankenstein-Mythos schuf. Unwirkliche Bilder und Töne, durchdesignte Menschen, stylishe Architektur, das Fehlen jeglicher Emotionen, verstörende Dialoge – es wird nicht viele Filmredaktionen im deutschen Fernsehen geben, die Sascha Arango (Buch) und Achim von Borries (Regie) so viel freie Hand lassen, außer dem Hessischen Rundfunk (HR). Den Frankfurtern verdanken wir den Wiesbadener „Tatort“-Ermittler, gespielt von Ulrich Tukur, ein Mann, der sich mit seinem Gehirntumor unterhält.

Wem dieser „Tatort“ zu verstiegen ist, wird auch bei diesem Horrorfilm mit reichlich Kunstanspruch umschalten, noch bevor klar wird, wer sich denn hinter dem Gespenster-Kind verbirgt. Da mag sich Alina Levshin, die zum neuen Erfurter „Tatort“-Team des MDR gehört, noch so sehr nach vorne spielen. Sie ist in jeder Szene dabei, der Film ist ganz und gar auf die Wahrnehmung seiner klasse Hauptdarstellerin abgestellt. Was das Zuschauen verführerisch und schmerzhaft zugleich macht. Markus Ehrenberg

„Alaska Johansson“, ARD,

Mittwoch, 20 Uhr 15

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