Der Wahlabend im Fernsehen : Lahme "Elefantenrunde" ohne AfD und FDP

Mit AfD und FDP hätte die „Berliner Runde“ spannend werden können. Doch ARD und ZDF beharrten auf ihre Formatvorgaben. Dabei hätten ein bisschen mehr "King of Kotelett" dem Wahlabend gut getan.

von
Kur mal die Contenance verlor Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) vorm Start der "Berliner Runde" bei ARD und ZDF im Gespräch mit Unionskollegin Gerda Hasselfeldt. Foto: dpa
Kur mal die Contenance verlor Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) vorm Start der "Berliner Runde" bei ARD und ZDF im Gespräch mit...Foto: dpa

Tische und Stühle gab es genug. Doch ARD und ZDF blieben strikt. In die „Berliner Runde“ durften am Sonntagabend nur die Spitzenkandidaten der Parteien kommen, die es nach den ersten Hochrechnungen über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hatten – und so blieben ausgerechnet diejenigen draußen, mit denen die „Elefantenrunde“ spannend geworden wäre: die Alternative für Deutschland (AfD) und die FDP. Die AfD, weil sie knapp an der Hürde kratzte, die FDP, weil sie wohl nicht mehr im Bundestag vertreten sein wird. Da hätten ARD-Chefredakteur Thomas Baumann und ZDF-Chefredakteur Peter Frey einige interessante Fragen stellen können.

Aber nein, keine Experimente. „Die ,Berliner Runde‘ umfasst immer nur die im Bundestag vertretenen Parteien. Formatentscheidung“, teilte die ARD-Pressestelle per Twitter mit. Also verlief die „Elefantenrunde“ so, wie der Wahlkampf vorab: lahm.

Von der FDP wollte kein Spitzenvertreter vors Mikrofon

Dabei ist so eine Bundestagswahl ja immer auch eine Leistungsschau für die Sender. Wer präsentiert die genauesten Vorhersagen, wer die besten Analysen, wer hat die spannendsten Gäste zur Diskussion? Die beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF lieferten zusammen mit Phoenix ein solides Programm. Fürs Erste führten Caren Miosga und Ulrich Deppendorf durch die Sondersendung zur Wahl und hatten unter anderem Tagesspiegel-Kolumnistin Hatice Akyün zu Gast. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn präsentierte und erklärte die Hochrechnungen am Touchscreen-Bildschirm. Die ersten Schalten zeigten in vielen Parteizentralen mehr Schadenfreude über das Ergebnis der Konkurrenz als Freude über das eigene Ergebnis. Bei der FDP hatten die Reporter Mühe, Vertreter aus der Parteispitze vors Mikrofon zu bekommen. Nur Christian Lindner und Daniel Bahr trauten sich. Phoenix blieb dagegen zunächst bloß der Vorsitzende der Jungen Liberalen übrig. Dafür waren bei Phoenix die Zuschauer besser aufgehoben, die die offiziellen Auftritte der Spitzenkandidaten in den Parteizentralen in Ruhe verfolgen wollten.

Wowereit war der Hansdampf in allen Gassen

Das ZDF sendete mit Bettina Schausten und Theo Koll aus dem ehemaligen Telegrafenamt in Berlin und hatte merkliche Tonprobleme. Es hallte in den hohen Räumen. Aber davon ließen sich die Moderatoren nicht irritieren, sie führten ebenfalls solide durch den Wahlabend und begrüßten mit Stanislaw Tillich, Winfried Kretschmann und Klaus Wowereit die Politiker, die zuvor schon in der ARD ihre Parteien gelobt hatten. Berlins Regierender Bürgermeister war am Sonntagabend übrigens der Hansdampf in allen Gassen. Später saß er auch noch bei „Günther Jauch“ im Ersten.

Warum fehlte "King of Kotelett" Raab?

Komprimiert und konzentriert analysierte Peter Kloeppel auf RTL die Ergebnisse in einem „Wahl Spezial“, schwach dagegen die Konkurrenz von ProSiebenSat1. Hatte die Sendergruppe beim TV-Duell noch auf eine Teilnahme gedrungen, war die Wahl jetzt mit den Nachrichten abgefrühstückt. Dabei hatte Moderator Stefan Raab doch bewiesen, dass er „King of Kotelett“ sein kann, wenn es um politische Fragen geht. Doch er verzichtete auf eine Sondersendung seiner „Absoluten Mehrheit“ – obwohl es interessant gewesen wäre, gerade dort über die „Queen of Kotelett“ Merkel zu sprechen.

Aber, keine Experimente. In der „Berliner Runde“ stellten Baumann und Frey ihre Pflichtfragen: an Merkel und Gerda Hasselfeldt (CSU) zu einer möglichen Alleinregierung, Jürgen Trittin (FDP) zu einer schwarz-grünen Koalition und SPD-Kandidat Peer Steinbrück zu seiner Zukunft in der Partei. Keine Spekulationen war der Tenor, auf den sich alle einigen konnten. Nur Trittin und Steinbrück amüsierten mit ihrer Gesichtsmimik zum Betreuungsgeld. Die Afd wurde dagegen nur kurz thematisiert – es wirkt ein bisschen so, als ob die Sender mit der Partei und deren Ergebnis noch nicht so recht umzugehen wissen. Forscher ging da Günther Jauch vor. Er lud AfD-Chef Bernd Lucke noch kurzerhand ein - allerdings durfte Lucke nicht neben Klaus Wowereit, Wolfgang Schäuble und Gerhardt Baum auf dem Podium Platz nehmen, sondern musste sich mit einem Sitz am Rand begnügen.

„Die Parteien müssen sich offensiv mit Europa beschäftigen“, riet „Zeit“-Chefredakteur und Tagesspiegel-Herausgeber Giovanni di Lorenzo bei Jauch als Reaktion auf das starke Abschneiden der AfD. Das gilt wohl auch für die Sender und die AfD. Platz hätte es bei Jauch auf dem Podium genug gegeben.

Autor

14 Kommentare

Neuester Kommentar