30 Jahre "Schwarzwaldklinik" : Heile Welt für Millionen

Beim Start 1985 war die „Schwarzwaldklinik“ die deutsche Antwort auf „Dallas“ und „Denver-Clan“. Aus dem Fernsehen ist die Serie verschwunden, im Netz ist sie nach wie vor Kult.

Jürgen Ruf
Professor Brinkmann (Klausjürgen Wussow, hinten 2.v.r., mit Gaby Dohm, 2. v.r.) und sein Team haben TV-Geschichte geschrieben.
Professor Brinkmann (Klausjürgen Wussow, hinten 2.v.r., mit Gaby Dohm, 2. v.r.) und sein Team haben TV-Geschichte geschrieben.Foto: picture-alliance / dpa

Professor Brinkmann und Oberschwester Hildegard haben Fernsehgeschichte geschrieben. Ihr Sanatorium im Schwarzwald ist bis heute das Symbol für TV-Unterhaltung der 1980er Jahre. Vor 30 Jahren, genauer am 22. Oktober 1985, kam die erste Folge auf den Bildschirm. Die Zuschauer ließen sich von ihr anstecken. Die Einschaltquoten waren enorm – und sind noch immer Rekord. Die „Schwarzwaldklinik“ ist nach Angaben des ZDF die bis heute populärste und erfolgreichste deutsche Fernsehunterhaltungsserie. Wiederbelebt mit neuen Folgen wird sie, zumindest vorerst, nicht.

Die Klinik in Glottertal bei Freiburg, Deutschlands bekannteste Fernsehkulisse, ist auch nach drei Jahrzehnten noch immer ein Anziehungspunkt für Touristen. „Es ist schön, in Erinnerungen zu schwelgen“, sagt ein Familienvater, der sich das markante Gebäude im Schwarzwald mit seinen Kindern anschaut: „Heile Welt eben.“ Im Fernsehen ist die Serie verschwunden. Angeklickt werden die Episoden von früher heute im Internet. Sie haben Kultcharakter.

„Die Schwarzwaldklinik war ein Phänomen, wie wir es in Deutschland zuvor nie hatten und auch nicht wieder haben werden“, sagt der Produzent der Serie, Wolfgang Rademann. Der heute 81 Jahre alte Berliner ließ sich von der tschechischen Fernsehserie „Das Krankenhaus am Rande der Stadt“ inspirieren, die Ende der 70er Jahre entstand. Und landete einen Volltreffer. „Die Einschaltquoten der Schwarzwaldklinik sind bis heute unerreicht“, sagt Rademann sichtlich stolz: „Und sie werden auch nicht mehr getoppt werden können.“ Bis zu 28 Millionen Menschen saßen damals, im noch nicht vereinten Deutschland, pro Folge vor den TV-Geräten. Die „Schwarzwaldklinik“ wurde ein Straßenfeger. Konkurrenz durch das Privatfernsehen gab es nur unwesentlich.

Die "Schwarzwaldklinik" machte einige Schauspieler zu Stars

Schauspieler wie Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Sascha Hehn, Eva-Maria Bauer und andere streiften sich Ärzte- und Schwesternkittel über. Sie wurden in Deutschland zu Stars. Auch international war die Serie ein Erfolg. Sie wurde in 43 Ländern ausgestrahlt und gehört damit laut ZDF zu den deutschen TV-Bestsellern im Ausland. An den Drehorten im Schwarzwald löste sie einen Touristenboom aus. Kritik gab es dennoch: Manchen war die Serie zu seicht, professionelle Mediziner bezeichneten sie als wenig authentisch.

Doch die Nation schaltete ein. „Deutschland stand Kopf“, erinnert sich Schauspielerin Barbara Wussow, 54, die an der Seite ihres Vaters die Rolle der Lernschwester Elke übernahm. Sie war von der ersten bis zur letzten Folge dabei. „Die Schwarzwaldklinik wurde zu einem Blockbuster, wie man heute sagen würde, und für viele kommende Arztserien zum Wegbereiter.“ Allein in Deutschland wurden nach dem Ende der „Schwarzwaldklinik“ mehr als 25 Ärzteserien ins Fernsehen gebracht. Den Erfolg des Vorbildes schaffte keine.

Den Hauptdarstellern drückte die Klinikserie einen Stempel auf. Klausjürgen Wussow (1929–2007), der den Chefarzt Professor Brinkmann mimte, wurde bis zum Lebensende mit der Rolle verbunden. Sascha Hehn, der Brinkmanns Sohn Udo verkörperte, gelang jüngst der Wechsel. Rademann, der für das ZDF seit 1981 auch die Endlosserie „Traumschiff“ produziert, holte den heute 61-Jährigen ins Boot.

Von der „Schwarzwaldklinik“ kamen von 1985 bis 1989 insgesamt 73 Folgen auf den Bildschirm. 2004 und 2005 gab es, zum damals 20-jährigen Bestehen der Serie, zwei neue Episoden, die zweistellige Millionenquoten holten. Dann war endgültig Schluss. Einen Neustart der Serie lehnt Produzent Rademann ab. „Eine Wiederbelebung würde dem Original schaden“, sagt er. Zudem seien die meisten Schauspieler von damals inzwischen gestorben. Jürgen Ruf, dpa

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