Abschied auf Zeit? : Martin Sonneborn muss "heute-show" verlassen

Solange Martin Sonneborn im EU-Parlament sitzt, darf er nicht mehr für die ZDF-Nachrichtenparodie arbeiten. Seine Rückkehr könnte aber nicht lange auf sich warten lassen.

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"Die Partei" hat immer Recht. Martin Sonneborn, Gründer und Chef-
"Die Partei" hat immer Recht. Martin Sonneborn, Gründer und Chef-Foto: dpa

So was kommt von so was. Martin Sonneborn zieht ins Europaparlament ein, dafür muss er aus der „heute-show“ ausziehen. „Das ZDF wird für die Dauer der Tätigkeit von Herrn Sonneborn im Europäischen Parlament nicht mit ihm zusammenarbeiten“, teilte ein Sendersprecher dem Tagesspiegel auf Anfrage mit. Die „heute-show“ werde in ihrer Ausgabe am Freitag Martin Sonneborn verabschieden, „bevor er am 1. Juli sein Mandat aufnimmt“. Mehr als 180 000 Wahlberechtigte hatten am 25. Mai für die Partei um den Satiriker gestimmt – der nun dank 0,6 Prozent der Stimmen Europaparlamentarier wird.
Der Sitz im EU-Parlament sei für das ZDF-Justiziariat der entscheidende Faktor für die (zwischenzeitliche) Trennung, nicht die politische Arbeit des Satirikers in und mit seiner „Partei“. Heißt: Politisch tätige Menschen dürfen für das ZDF auch auf dem Bildschirm arbeiten, Mandatsträger dürfen das nicht. Dann wird’s offenbar zu politisch. Die „heute-show“ kann von Freitag an über den Lückenschluss gründlich nachdenken, die Nachrichtenparodie geht bis 5. September in die Sommerpause.

Ob Sonneborn dann schon wieder mit von der Partie ist? Der Satiriker hat ja einen verwegenen Plan. Zwar ist die „Die Partei“ in den nächsten fünf Jahren im EU-Parlament vertreten, Parteichef Sonneborn will aber schon nach einem Monat seinen Sitz räumen und Platz machen für weitere „Partei“-Mitglieder. „Ich werde mich vier Wochen lang intensiv auf meinen Rücktritt vorbereiten“, hatte der 49-Jährige gesagt. Damit wolle er eine Rotation einleiten. "Wir werden versuchen, monatlich zurückzutreten, um 60 Parteimitglieder durchzuschleusen durch das EU-Parlament. Das heißt, dass sich jedes dieser Mitglieder einmal für 33 000 Euro im Monat Brüssel anschauen kann und dann zurücktritt und noch sechs Monate lang Übergangsgelder bezieht. Wir melken also die EU wie ein kleiner südeuropäischer Staat“, sagte Sonneborn. Begründen will er das mit Heimweh oder psychischen Problemen. Seltsam findet der Real-Satiriker das alles nicht: „Ich glaube nicht, dass wir die Verrücktesten sind im Europaparlament.“ Aus Sonneborns Plänen in Sachen Übergangsgeld wird aber wohl nichts.

Aus dem Europaparlament hieß es, die Parlamentarier hätten erst nach einem Jahr Anspruch auf Übergangsgeld. Laut Geschäftsordnung kann Sonneborn außerdem nicht alleine bestimmen, ob sein Sitz frei wird , dies müsste in seinem Fall das Europaparlament feststellen, nachdem ein Ausschuss den Rücktritt geprüft hat. Martin Sonneborn war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Entweder war er mit dem Abschiedsvideo für die „heute-show“ beschäftigt oder mit der Vorbereitung seines Rücktritts.

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