Ärger um neuen SWR-Bürgertalk : „Sie bekommen 150 € für Ihre Meinung“

"Mal ehrlich...": Die TV-Produktionsfirma Encanto wollte für den SWR Talkgäste mit einer bestimmten Meinung einkaufen

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Florian Ehrlich wird den SWR-Talk "Mal ehrlich..." moderieren
Florian Ehrlich wird den SWR-Talk "Mal ehrlich..." moderierenFoto: SWR/Peter A. Schmidt

Wahrscheinlich war alles nur ein großes Missverständnis, doch die Grundfrage bleibt: Wie gut sind die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender beraten, ihre Gesprächssendungen nicht selber, sondern von Fremdfirmen produzieren zu lassen?

Aktuelles Beispiel ist der Südwestrundfunk (SWR). Der Sender startet am 6. September sein neues Talkformat „Mal ehrlich ...“ mit Moderator Florian Weber. Dort sollen „normale Bürger“ mit Politikern über ein „großes Thema“ reden. Der „normale Bürger“, wer ist das, wo ist er, taugt er für einen Fernsehauftritt? Jedenfalls wurde er für das angedachte Premierenthema „... macht meine Rente mich arm?“ dringend gesucht.

Die Produktionsfirma Encanto TV („Kölner Treff“, „Böttingers Bücher“, „Krause kommt“) wollte sich die Aufgabe leicht machen. Also wurde diese Anzeige veröffentlicht: „Wir suchen für ein neues SWR-TV-Format eine/einen Alleinerziehenden, der sagt, dass sie/er aufgrund der Kindererziehung oder -ausbildung kein Geld für die Rente hat. Und mit Schrecken an die eigene Rente denkt.“ Anreiz zur Aussage: „Sie bekommen 150 € für Ihre Meinung.“

"Beim SWR gibt es keine gekaufte Meinung"

Kaum war die Anzeige in der Öffentlichkeit, brach der Ärger los. Der Aufruf wurde stante pede modifiziert, vom Geld gegen Meinung war keine Rede mehr und der SWR sah sich zu einer unmissverständlichen Stellungnahme herausgefordert. „Klipp und klar: Beim SWR gibt es keine gekaufte Meinung und auch keine Talkgäste, die gegen Honorierung bestellte Aussagen machen.“

Von dieser Form der Suche nach Protagonisten habe der Sender nichts gewusst. „Wir lehnen diese Form der Gästeakquise ab und distanzieren uns davon.“ Mit der Produktionsfirma werde gemeinsam sichergestellt, „wie künftig vorgegangen wird, damit nicht der Eindruck entsteht, dass hier Meinung gekauft wird“.

Aber ein Eindruck bleibt doch: Der SWR bestellt lieber Programm, als dass er es selber macht.

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