• Affäre im Staatsfernsehen: Belgien schaltet ARD und ZDF ab – Deutschland protestiert

Affäre im Staatsfernsehen : Belgien schaltet ARD und ZDF ab – Deutschland protestiert

Belgiens größter Fernsehanbieter hat ARD und ZDF aus dem Programm genommen - und dafür RTL, SAT1 und Pro7 eingespeist. Der Grund: Die Öffentlich-Rechtlichen verlangen eine Verdoppelung der Einspeisegebühr. Der Wechsel hat mittlerweile eine kleine Staatsaffäre ausgelöst.

von
Seit dem 14. Mai wird das ZDF in Belgien nicht mehr gesendet. Auch die ARD wird vom größten belgischen Anbieter Belgacom nicht mehr eingespeist.
Seit dem 14. Mai wird das ZDF in Belgien nicht mehr gesendet. Auch die ARD wird vom größten belgischen Anbieter Belgacom nicht...Foto: dpa

Der letzte Tatort lief am 12. Mai, die letzte Heute-Show zwei Tage zuvor – seit dem 14. Mai hat der größte belgische Anbieter Belgacom ARD und ZDF aus dem Programm genommen. Den Eurovision Song Contest und das Champions-League-Finale haben auch andere europäische Sender gezeigt, aber am heutigen Samstag, beim Pokalfinale in Berlin, gucken Deutsche in Belgien in die Röhre. Die Grundversorgung im Ausland ist in Gefahr!

Spätestens jetzt ist klar, dass dieser Text nicht ganz journalistisch-objektiv sein kann, da auch sein Verfasser Probleme hat, die nun eingespeisten Sender RTL, SAT1 und Pro7 als gleichwertigen Ersatz zu akzeptieren. Die Empfindlichkeiten des Berichterstatters wären auch keinen Bericht wert, hätte sich die Sache nicht zur kleinen Staatsaffäre ausgewachsen.

Das liegt an der Zielgruppe. Neben den 75000 Einwohnern der deutschsprachigen Gemeinschaft im Ostbelgien rund um die Städtchen Eupen und Malmedy gehören dazu vor allem die rund 40000 Deutschen in Brüssel und Umgebung. Darunter sind überproportional viele Diplomaten, Lobbyisten oder Konzernrepräsentanten aus dem Dunstkreis der EU-Institutionen und des Nato-Hauptquartiers, die über überdurchschnittlich gute Kontakte verfügen. Einer Onlinepetition, die inzwischen 3600 Menschen unterzeichnet haben, hätte es wohl gar nicht bedurft, um politischen Druck aufzubauen.

Wenn Angela Merkel nach Brüssel kommt, geht es immer um Milliarden – in dem Fall, auf den sie vorige Woche beim EU-Gipfel angesprochen wurde, „nur“ um 500.000 Euro. Denn es ist die von den Öffentlich-Rechtlichen verlangte Verdoppelung der Einspeisegebühr auf eine Million Euro im Jahr, die Belgacom zur Abschaltung bewogen hat. Die Kanzlerin versprach, beim belgischen Premier Elio Di Rupo nachzuhaken. Vom FDP-Bundestagsabgeordneten Oliver Luksic wurde der schon per Brief aufgefordert, auf den Sender einzuwirken: „Für die engen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien wäre eine Einigung in dieser Sache ein positives Signal.“

Die diplomatischen Kanäle also glühen: Der deutsche Botschafter in Belgien, Eckart Cuntz, hat sich am Freitag mit Vertretern von Belgacom getroffen – noch ohne Ergebnis.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

Autor

21 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben