Agreement of Understanding : Mehr Bild, weniger Text

Besser einvernehmlich als vor Gericht: Im Streit um die „Tagesschau“-App rückt eine Einigung von Verlegern und ARD in greifbare Nähe.

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Mancher Rechtsstreit lässt sich besser außerhalb des Gerichts regeln, das meinen selbst die zuständigen Richter. Der Streit zwischen den deutschen Zeitungsverlegern und dem öffentlich-rechtlichen Senderverbund ARD über deren „Tagesschau“-App scheint ein solcher Fall zu sein. Im Oktober hatte das Kölner Landgericht die beiden Parteien aufgefordert, zuerst einmal selbst nach Wegen für eine einvernehmliche Lösung zu suchen – die nun offenbar in greifbare Nähe gerückt ist. Die klagenden Verlage – darunter Axel Springer, der Süddeutsche Verlag, FAZ, WAZ und DuMont Schauberg – sowie die ARD arbeiten nach einem Bericht des Medienmagazins „Journalist“ an einem „Agreement of Understanding“. Mehr Bild und Ton im Vordergrund, etwas weniger Text dahinter, auf diese Formel lässt sich dieser befristete, aber nicht einklagbare Verhaltenskodex für die „Tagesschau“-App bringen.

Der Ärger der Verleger gründete sich darauf, dass eine kostenlose „Tagesschau“-App mit presseähnlichen Inhalten das gerade wachsende Geschäftsfeld mit kostenpflichtigen Smartphone- und Tablet-PC-Apps im Keim ersticken könnte. ARD-Chefin Monika Piel hebt nun den guten Willen auf beiden Seiten hervor, zu einer Einigung zu gelangen, und begrüßt die konstruktiven Gespräche. BDZV-Präsident Helmut Heinen hofft darauf, mit gemeinsam verabredeten Verhaltensregeln einen viele Jahre andauernden Rechtsstreit verhindern zu können. An einer rechtlichen Klärung des Begriffs „presseähnlich“ sei man gleichwohl weiterhin interessiert, so der Verbandschef. Die Verhandlungen sollen direkt nach der Weihnachtspause fortgesetzt werden.

Das ZDF sieht indes keinen Anlass zum Streit. Die Leitlinie für die geplante „heute“-App lautet: So viel Bewegtbild wie möglich, so viel Text wie nötig. Die App habe dabei die Aufgabe, die vorhandenen Inhalte von heute.de für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs zugänglich zu machen, „nicht mehr und nicht weniger“, sagte ZDF-Sprecher Walter Kehr. Bis zum Start der App wird es noch etwas dauern. „Bis Mitte des Jahres hat das ZDF noch einiges vor, dazu gehört auch die ,heute‘-App“, sagte Kehr dem Tagesspiegel. Die lange Vorbereitungszeit hat unter anderem mit dem aufwendigen Lizensierungsverfahren zu tun, das eine neue App bei Apple durchlaufen muss.

Der nächste Gerichtstermin in Köln ist für den 22. März angesetzt. Zumindest das ZDF kann dem Termin gelassen entgegensehen, der Mainzer Sender steht nicht vor Gericht. Kurt Sagatz

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