Medien : Alpendrama mit wenig Kitsch

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Im Leben von Roman (Fritz Karl) geht so ziemlich alles schief: Seine Schweinezucht im Oberallgäu ist verschuldet, seine Frau hat sich von ihm getrennt, die Wohnung versinkt im Chaos, das Finanzamt steht vor der Tür. Dann liegt die Mutter tot neben den Schnecken im Gemüsebeet und Roman hofft, dass ihr Nachlass, ein Aktienpaket, ihn aus der Misere befreien könnte. Bald jedoch wird klar, dass es an seinen Bruder Adrian (Alexander Beyer) geht, der als Bauer auf einer Alm lebt. Der hat zwar keine Verwendung für das Geld, stellt sich aber taub, als sein Bruder ihn bittet, die Aktien auf ihn überschreiben zu lassen.

Mit dieser Ausgangssituation erzählt der leichtfüßige Heimatfilm von Regisseurin Imogen Kimmel, wie sich zwei unterschiedliche Brüder aufeinander zubewegen. Der Arbeitstitel des Films hieß „Das Herz ein Berg“, was passender ist und verhindert hätte, dass der Zuschauer in der ersten Viertelstunde nur auf das Ableben der Mutter wartet. Außerdem spielen hier Herzen und Berge auf erstaunlich kitschfreie Weise eine wichtige Rolle.

Alexander Beyer, der den Einsiedler Adrian mit behäbiger Körperlichkeit spielt, sagt über seine Figur: „Was man von ihm sieht, ist nur die Spitze des Eisberges.“ So wartet man stets darauf, dass aus dem scheuen Mann, der immer wieder von einer Jugendgang gedemütigt wird, irgendwann ein dunkles Geheimnis herausbricht. Das Drehbuch von „Tatort“-Autorin Judith Angerbauer schildert Roman wiederum als sympathischen Scharlatan, mit dem Herz am rechten Fleck. Dabei wird manchmal ein bisschen dick aufgetragen, wenn er etwa mit der spröden Finanzbeamtin (als überzeichnete Karikatur: Andrea Sawatzki) nach dem Dampfnudelessen im Bett landet. Besonders schön ist der Schluss des kleinen Alpendramas. Er macht seinen Figuren das Herz noch einmal weit und lässt auf kluge Weise verschiedene Möglichkeiten offen. Simone Schellhammer

„Mein Bruder, sein Erbe und ich“, ZDF, 20 Uhr 15

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