Angst vor Kritik? : NDR macht großes Geheimnis um neuen Schweiger-„Tatort“

Til Schweiger, Helene Fischer - das Interesse an der "Tatort"-Doppelfolge "Der große Schmerz" ist groß. Erstmals können TV-Kritiker jedoch nur einen Teil der Produktion vorab sehen.

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„Der große Schmerz“: Erstmals müssen TV-Kritiker einen „Tatort“ vorstellen, ohne ihn komplett gesehen zu haben. Nick Tschiller (Til Schweiger) wird darin hart rangenommen.
„Der große Schmerz“: Erstmals müssen TV-Kritiker einen „Tatort“ vorstellen, ohne ihn komplett gesehen zu haben. Nick Tschiller...Foto: NDR

Das hat es noch nicht gegeben: Erstmals in der 45-jährigen Geschichte des ARD-„Tatort“ müssen die Vorgucker der Fernsehnation eine Produktion einordnen, ohne sie vorher in Gänze gesehen zu haben. Konkret geht es um die „Tatort“-Doppelfolge „Der große Schmerz“ mit Til Schweiger und Helene Fischer, der am 22. und 29. November im Ersten läuft. Der erste Teil wird TV-Kritikern von Programmzeitschriften oder Zeitungen auf Anforderung zwar noch zur Ansicht bereitgestellt. Beim zweiten Teil lässt der Norddeutsche Rundfunk (NDR) jedoch nicht mit sich reden.

Der NDR begründet die Entscheidung mit der Spoiler-Gefahr

"Die redaktionelle Entscheidung, den "Tatort: Der große Schmerz" nicht vorab zu zeigen, hat inhaltliche Gründe. Den Zuschauerinnen und Zuschauern soll nicht die Spannung genommen worden", begründete der NDR dieses Novum gegenüber dem Tagesspiegel. Die Spoiler-Gefahr, dass eine entscheidende Wendung vorab verraten werden könnte, sei zu groß. „Wenn Sie es sehen, werden Sie es verstehen“, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. Besondere Sorgen macht man sich in Hamburg auch, weil Helene Fischer als russischer Racheengel Leyla in dem Film mitspielt. Das lasse dem Boulevard keine Ruhe.

„Warum sollten wir die Handlung verraten? Was hätten wir davon? Das würde doch nur die Leser stören“, wehrt sich Heiko Schneider, stellvertretender Chefredakteur von „TV Spielfilm“, der den neuen Umgang des NDR mit TV-Kritikern „befremdlich“ findet. „Wir werden das gegenüber unseren Lesern thematisieren. So etwas darf sich nicht wiederholen“, sagte Schneider. Wie glaubhaft das Dementi des NDR ist, dass es in dieser Frage keine Einflussnahme von Schweiger gegeben habe, lässt sich jedoch schwer beurteilen. Fest steht, dass der Schauspieler und Regisseur seine Kinofilme auch nur einem ausgewählten Kreis vorab zeigt. Dennoch stellt sich die Frage: Was unterscheidet den „Tatort“ mit Nick Tschiller alias Til Schweiger von anderen ARD-Produktionen?

Selbst Bond-Filme werden vorab gezeigt

Was bereits gesagt werden kann, ohne etwas zu verraten: „Der große Schmerz“ wird ein Action-Spektakel, das eines Bond-Films würdig wäre. Im NDR-Film entführt der Astan-Clan Nick Tschillers Ex-Frau und Tochter, um den Kommissar zu erpressen. Er soll Clanchef Firat Astan bei einer Überstellung nach Bayern befreien. Apropos Bond: Die Agentenfilme werden immer vorab gezeigt. Für Schweigers „Tatort“-Kinofilm 2016 sollte sich der mitproduzierende NDR darum überlegen, ob Kritiker ein weiteres Mal ausgesperrt bleiben. Kurt Sagatz

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