Anne Will verteidigt Einladung an Nora Illi : "Wir wussten, was wir tun"

ARD-Talkerin Anne Will hat in einem "Zeit"-Interview den Auftritt der voll verschleierten Islam-Fundamentalistin als journalistisch notwendig gerechtfertigt

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„Anstößige Inhalte“ nannte Moderatorin Anne Will (links) die Aussagen der islamistischen Fundamentalistin Nora Illi in ihrer Talkshow.
„Anstößige Inhalte“ nannte Moderatorin Anne Will (links) die Aussagen der islamistischen Fundamentalistin Nora Illi in ihrer...Foto: dpa

Die ARD-Talkmasterin Anne Will hat die öffentlich heftig diskutierte Einladung der voll verschleierten Schweizerin Nora Illi in ihre Sendung am vergangenen Sonntag als journalistisch notwendig gerechtfertigt. „Wir wollten zeigen: Wie denkt Frau Illi in der von uns diskutierten Frage? Ich hätte es als journalistisches Versäumnis ersten Ranges empfunden, wenn wir genau das nicht gezeigt hätten“, sagte Will der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Die Moderatorin Will zeigte sich nicht überrascht von dem Auftritt der Frauenbeauftragten des sogenannten Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS). „Wir wussten, was wir tun, wenn wir Frau Illi einladen.“ Auch dass die Konvertitin Dschihadisten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verteidigte, hält Will im Nachhinein weiter für vertretbar. „Anstößige Inhalte, und als solche empfinde ich sie, muss ich trotzdem diskutieren lassen. Wenn wir uns gar nicht mehr anschauen, wie die radikalisierten Kräfte in unserer Gesellschaft denken, berauben wir uns in einer demokratischen Gesellschaft eines wesentlichen Mittels“, sagte die Moderatorin. Die Grenze des Diskutierbaren sei da erreicht, wo zur Gewalt aufgerufen werde. Das habe Illi aber nicht getan. Anne Will zeigte sich in dem Interview zudem zutiefst überzeugt von der Wirkung dieses Auftritts auf das Publikum. „Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass sich jemand vor dem Fernseher spontan radikalisiert hatte, als er Frau Illi gesehen hat. Das glatte Gegenteil ist der Fall. Man hat verstanden, welchem Irrglauben Frau Illi aufsitzt.“

Mit der „Anne Will“-Ausgabe will sich Anfang Dezember der Rundfunkrat des zuständigen Norddeutschen Rundfunks befassen, wie die Ratsvorsitzende Ursula Thümler dem Tagesspiegel sagte.

Kritik der Unionspolitiker Hasselfeldt und Bosbach

Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, befand den Auftritt Illis indes für „befremdlich und irritierend“. Die Vollverschleierung passe „nicht zu unseren gesellschaftlichen Werten“, erklärte sie und fügte hinzu: „Wir dürfen islamistischer Propaganda keine Plattform geben.“ Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach hat den Auftritt der voll verschleierten Islamistin Nora Illi in der ARD-Sendung „Anne Will“ scharf kritisiert. „Ich habe schon an einigen turbulenten Talkshows teilgenommen, aber solch eine offene Werbung eines Teilnehmers für den gewaltbereiten Islamismus habe ich noch nicht erlebt“, sagte der Innenexperte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Kölnischen Rundschau“. Totalverhüllung und Fernsehen passten nicht zusammen, betonte Bosbach. „Es geht ja nie nur um das gesprochene Wort, es geht auch um Mimik und Gestik und die gesamte Persönlichkeit, mit der man diskutiert.“ Die Zuschauer wollten völlig zu Recht wissen, wer zu ihnen spricht. Der CDU-Bundestagsabgeordnete verteidigte zugleich seine Entscheidung, an der Talksendung teilzunehmen. Er habe Illi und ihren Thesen nicht widerspruchslos das Feld überlassen wollen: „Würde man aus Protest absagen, würde die Sendung von solchen Menschen dominiert, die brandgefährliche Thesen vertreten.“

Von dem Auftritt Illis hatte sich auch die Schweizer Justiz „irritiert“ gezeigt, die ein Vorstandsmitglied des Islamischen Zentralrates im Visier hat. Der Norddeutsche Rundfunk hatte nach der Sendung zum Thema „Mein Leben für Allah – Warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen?“ die Einladung an die Frauenbeauftragte des Zentralrates verteidigt. Die 32-jährige Illi konvertierte im Alter von 18 Jahren zum Islam und zeigt sich seitdem nur mit einem Gesichtsschleier in der Öffentlichkeit. Mit ihr debattierte neben Bosbach unter anderen der Islamismus-Experte und Psychologe Ahmad Mansour.

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