Annette Frier : Danni Lowinski - Anwältin für einen Euro

Sat 1 will mit deutschen Serien den Montag retten. Annette Frier spielt in der neuen Produktion die frischgebackene Anwältin "Danni Lowinski", die so anders ist als Ally McBeal.

Janina Guthke

„Scheiße, jetzt sind wir echt Anwälte!“, prustet Danni Lowinski bei der Vereidigung und erntet verächtliche Blicke ihrer Jura-Kommilitonen. Gefeiert wird trotzdem, mit der besten Freundin und Dosenbier auf den Stufen des Gerichts. Doch das Hochgefühl hält nicht lange an. Auf- und manchmal ausfallend spielt Annette Frier die charmante Ex-Frisörin Danni Lowinski in der Serie von Sat 1. Mit ihrem schrillen Kleidungsstil und ihrer großen Klappe wirkt sie so gar nicht wie eine Anwältin. Nach einem erfolglosen Bewerbungsmarathon beschließt Danni einen Stand mit „Beratung für einen Euro die Minute“ zu eröffnen – in einem Einkaufszentrum. Schon bald sitzt die erste Mandantin am Klapptisch mit Stechuhr. Eine Abfindung nach fünf Jahren Schwarzarbeit bei einer reichen Familie? Schwierig, genauso wie ihr charmanter Prozessgegner, Anwalt Oliver Schmidt (Jan Sosniok). Den hasst sie mit Freuden, seitdem der Anzugträger sie nur fürs Sekretariat einstellen wollte. Mit ihrem nörgligen Vater (Axel Siefer), der im Rollstuhl sitzt, muss sich Danni zu allem Überfluss noch eine viel zu kleine Wohnung teilen. Doch die notorische Lederjackenträgerin kämpft – mit Witz und ungewöhnlichen Methoden.

Arm gegen Reich, schrill gegen konservativ, Frau gegen Mann: „Danni Lowinski“ spielt mit den Klischees und stolpert manchmal tief hinein. Wenn Dannis Dekolleté auf dem Massagestuhl wackelt oder ihre beste Freundin Erinnerungsfotos bei der ersten Verhandlung macht, kratzen die Autoren hart an der Grenze zum Lächerlichen. Aufgefangen werden solche Szenen durch das sympathische Spiel von Annette Frier, die zeigt, dass in der Comedian eine profunde Schauspielerin steckt, selbst wenn es ihr, anders als zum Beispiel Christoph Maria Herbst in „Stromberg“, nicht ganz gelingt, ihre Präsenz der Rolle unterzuordnen. Mit ihrem Film-Vater spielt sie sich die Bälle meisterhaft zu, Gegenspieler Sosniok wirkt dagegen im Vergleich zum restlichen Ensemble zunächst hölzern. „Danni Lowinski“ erreicht nicht auf Anhieb das Level einer preisgekrönten Serie wie „Edel & Starck“. Doch die prolligere Version einer „Ally McBeal“ aus der Arbeiterklasse könnte dem zuletzt eingestaubten Markt für deutsche Serien wieder neues Leben einhauchen. Ein Einkaufszentrum als Kanzlei, Probleme von Schwarzarbeitern und Alleinerziehenden: Drehbuchautor Marc Terjung, auch für die Bücher zu „Edel & Starck“ verantwortlich, entwickelt eine neue, frische Perspektive auf die Anwaltsserie.

Dass ausgerechnet Sat 1 mit „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“ wieder auf einen deutschen Serienmontag setzt, spricht für Mut, vielleicht für den Mut der Verzweiflung. Mit Serien wie „Allein unter Bauern“, ebenfalls von Marc Terjung entworfen, war der Sender eher mäßig erfolgreich. Offenbar hat sich Sat 1 einen von Dannis Sprüchen zu Herzen genommen: „Das ist das Gute, wenn man arm ist: Man hat so wenig zu verlieren.“ Mit „Danni Lowinski“ könnte der Sender sogar gewinnen.

„Danni Lowinski“, Sat 1, 21 Uhr 10

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