Annette Frier im Interview : „Wenn ich das wüsste, wäre ich steinreich“

Annette Frier über das Geheimnis guter TV-Serien, den Abschied von "Danni Lowinski", Schlecker-Frauen und ihre Träume mit Thomas Müller.

Markus Ehrenberg
Annette Frier
Annette Frier.Foto: Sat1

Frau Frier, wissen Sie, was Sie letzte Nacht geträumt haben?

Nein, wenn ich gewusst hätte, dass sie das fragen, hätte ich meinen Traumblock mitgenommen. Zu Hause in Köln schreibe ich mir morgens immer gleich meine Traumfetzen auf, bevor die weg sind. Am besten kann ich morgens zwischen halb fünf und halb sieben nachdenken. Meine Träume verstehe ich allerdings eh’ nicht.

Das verfolgt Sie ja nicht nur nachts. Ich habe gelesen, Sie seien grundsätzlich ein sehr abwesender Mensch.

Ich neige zum Tagträumen. Finde das sehr wichtig. Für mich ist das das Natürlichste der Welt.

Tauchte in Ihren Träumen mal eine Anwaltskanzlei im Kölner Untergrund auf?

Danni Lowinski ist mir noch nie im Traum begegnet, obwohl ich mit ihr ja eine lange Zeit verbracht habe. Fünf, sechs Jahre. Ich träume aber auch nur sehr selten von meiner Familie, meinen Kindern, obwohl die an allererster Stelle stehen. Dafür ist mir neulich Thomas Müller im Traum begegnet, allerdings nicht als Fußballer.

Was haben Sie Thomas Müller gesagt?

Geh’ doch mal spielen.

Was hat er geantwortet?

Was soll ich denn spielen?

Sehr seltsam. Vielleicht hat der Traum mit dem Einschnitt jetzt in Ihrem Leben zu tun, der Abschied von einer Paraderolle. Am Montag startet die letzte Staffel von „Danni Lowinski“. Müssen Sie fürchten, danach auf dem Trockenen zu sitzen, ohne große Rollen-Angebote?

Gar nicht. Ich glaube, ich bin an einem sehr schönen Punkt von Narrenfreiheit in meiner Karriere angekommen. Selten ging es mir so gut wie jetzt, was die berufliche Freiheit angeht. Es ist überhaupt nicht der Zeitpunkt, Angst zu haben vor Null-Beschäftigung. Ich habe nicht vor, mit 40 in Rente zu gehen.

Viele Ihrer Kollegen haben Existenzängste

Natürlich, es sind ja auch schwierige Zeiten.

Nicht nur für Schauspieler. Sie haben sich des Schicksals der Schleckerfrauen angenommen, drehen in Berlin. Da geht es um den Kampf von vier Frauen, deren Filiale in Moabit geschlossen werden soll und die ihren Filialleiter als Geisel nehmen.

Als vor zwei Jahren die Insolvenz anstand, habe ich das im Radio gehört und dachte, das ist eine unglaubliche Sauerei. Gleichzeitig war das ein naiver Gedanke. In einer kapitalistischen Gesellschaft gibt es solche Bauernopfer jeden Tag. Da gibt es auch nicht immer nur den guten Mitarbeiter und den bösen Chef. Trotzdem ist Fakt, dass vielen Schlecker-Mitarbeitern die berufliche Existenz unter dem Hintern weggezogen wurde

Funktioniert das Thema als Komödie?

Zugegeben, es ist mutig. Die Autoren Uwe Janson und David Ungureit haben das geschafft. Man kann einer Sauerei mit satirischen Elementen auf den Zahn fühlen, auch mit einem Statement. Demnächst gibt es den Schlecker-Stoff ja auch als Drama. Es gab auch einige Schlecker-Mitarbeiterinnen, die unser Buch gelesen haben, weil sie für den Film als Beraterinnen zur Seite standen. Sie jedenfalls waren sehr angetan von dem Projekt.

Zurück zur Lowinski. Fünf Staffeln einer Serie im Privatfernsehen, das kommt selten genug vor. Was kann Sat 1 davon lernen? Wie würden Sie den Reiz von „Danni Lowinski“ beschreiben?

Es hat von Anfang an viel gestimmt: Thema, Ton und Zeitgeist. Dazu ein gutes Ensemble, gute Regie, viel Leidenschaft auf vielen Ebenen.

Das sagen Kreative von ihrem Projekt so.

Das mag sein. Also warum klappt das und manchmal eben nicht? Wenn ich das wüsste, wäre ich steinreich.

Es gibt nicht so viele Sachen im Privatfernsehen, die gute Quote machen und gleichzeitig den Kritikern gefallen, Preise gewinnen. „Stromberg“ gehört noch dazu.

Ich habe bei Sat 1 in den letzten Jahren aber auch immer das Glück gehabt, bei einigen besonderen Projekten mitmachen zu dürfen, wie bei der „Schillerstraße“ und guten Movies. Ehrlich gesagt wird im öffentlich-rechtlichen Programm für meinen Geschmack auch viel Unsinn produziert. Wie schon gesagt, manche Dinge gelingen, andere eben nicht.

Aber wenn es bei „Danni Lowinski“ insgesamt so gut gelaufen ist, hätten Sie sich da nicht pfiffigerweise ein Hintertürchen offen halten sollen?

Sie meinen, so wie bei Bobby Ewing damals in „Dallas“ nach der Devise: alles nur geträumt? Wir haben das Kostüm jedenfalls nicht verbrannt. Ich will gar nicht ausschließen, dass wir in zwei, drei Jahren sagen, wir machen noch mal einen Lowinski-Film. Wenn es eine zündende Idee gibt, nur dann.

Wie schwer fiel Ihnen der Abschied? Stimmt es, dass Sie einen „Danni-Lowinski-Stammtisch“ gegründet haben?

Ja. Das Team guckt gemeinsam in einer Kneipe am Montag im belgischen Viertel. Gott sei Dank befindet sich noch eine Handvoll Teamkölner in Berlin, wo ich gerade drehe. Wir schauen ebenfalls gemeinsam.

Können Sie prinzipiell gut loslassen, Abschied nehmen?

Nicht besonders gut. Bei „Danni Lowinski“ ist mir das allerdings relativ gut gelungen. Dafür habe ich aber auch viel getan, mich über lange Zeit mental auf den allerletzten Drehtag eingestellt. Die Tage runtergezählt. Den Abschied zelebriert.

Ihr Image ist das einer quirligen Powerfrau, immer lustig. Das muss doch nerven.

Früher habe ich schon versucht gegen Schubladen anzusteuern. Comedian war auch einfach die falsche Berufsbezeichnung. Spätestens mit der Rolle Danni Lowinski hat sich das ganze Thema für mich aufgelöst. Und wenn die Leute unbedingt eine Schublade brauchen, kann ich mit der Bezeichnung Komödiantin gut leben. Es gibt Schlimmeres.

Wäre es nicht trotzdem mal an der Zeit, vor der Kamera einen, sagen wir, Killer, zu spielen? Vielleicht mit dem Hasen auf dem Arm im „Tatort"“ wie Berti Vogts?

Ob Sie’s glauben oder nicht, ich habe im letzten Jahr drei Dramen abgesagt, weil die mich null interessiert haben. Aber das stimmt schon, ich werde eher als Protagonistin anstatt als Antagonistin gebucht. Das kann man auch noch ändern.

BU: Seit fünf Jahren spielt Annette Frier, 40, die Danni Lowinski, eine couragierte Kölner Anwältin, die kleinen Leuten hilft. Dafür erhielt sie unter anderem den Deutschen Fernsehpreis. Am Montag (Sat1, 21 Uhr 15) startet die letzte Staffel der Ufa-Fiction-Produktion. Die Mutter von Zwillingen lebt in Köln, steht seit 1994 vor der Kamera und wird demnächst auch in einem Film über die Schleckerfrauen zu sehen sein..

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