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Arbeiten für MTV und "Zeit-Magazin" : Fotograf Daniel Josefsohn gestorben

Seine MTV-Plakatkampagne "Miststück" für den Musiksender MTV prägte die 90er Jahre: Jetzt ist der Fotograf Daniel Josefsohn mit 54 Jahren gestorben

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Der Fotograf Daniel Josefsohn ist tot.
Der Fotograf Daniel Josefsohn ist tot.Foto: dpa

Daniel Josefsohn hat den Musiksender MTV in Deutschland noch größer, noch bekannter gemacht. Der 1961 in Hamburg geborene Fotograf war der Erfinder der Plakatkampagne "Miststück", damals in den 90er Jahren. Junge Frauen schauen lasziv und provokant in die Kamera. Auf den schwarz-weiß Aufnahmen prangen Aufschriften wie „Eingebildete Kuh“, „Konsumgeile Göre“ oder eben „Miststück“. Was und wie er fotografierte, das war Popkultur verwandelt in Fotografie. Er hat die öffentliche Wahrnehmung dieser Zeit mit geprägt. Josefsohn arbeitete, natürlich, für die Magazine "Tempo" und "Jetzt". Seine Ästhetik "zeichnete sich durch das Spiel mit Ironie, Pop und Mode" aus", wie es bei Zeit online heißt.

Kreativdirektor bei Frank Castorf

Von 2010 bis 2012 war Josefsohn Kreativdirektor der Berliner Volksbühne bei Frank Castorf. Dann erlitt er einen Schlaganfall, seitdem war er halbseitig gelähmt. Zwei Jahre später begann er mit seiner Lebensgefährtin Karin Müller, mit er einen gemeinsamen Sohn hat, die 52-teilige Kolumne "Am Leben" im "Zeit-Magazin", in der er ein Jahr lang sein Leben vor und nach dem Schlaganfall schrieb. Für die Kolumne "Am Leben" wurde das Paar mit dem deutschen LeadAward für die beste Reportagefotografie ausgezeichnet.

Im Rahmen der Ruhrtriennale hatte Daniel Josefsohn gerade einen Meisterkurs für junge Fotografen gegeben. Die Werke, die er selber für das Projekt "Bude Bett Bargeld" fotografierte, sind die letzten, die er vor seinem Tod realisieren konnte. Die Eröffnung seines Fotoprojekts und das Erscheinen des zugehörigen Katalogs konnte er nicht mehr miterleben. Mit Daniel Josefsohn verliere die Ruhrtriennale einen kreativen Wegbegleiter und hoch geschätzten Freund, heißt es in einer Pressemitteilung vom Sonntag. . „Die Lücke, die sein früher Tod reißt, ist unermesslich“, sagte Vasco Boenisch, Dramaturg des Kunstfestivals Ruhrtriennale. „Zu speziell waren seine Bildideen, zu liebenswürdig war er selber, der Kindskopf, Visionär, Weltklassefotograf.“

"Auf Wiedersehen", twitterte Jan Böhmermann

Der Hatje Cantz Verlag, bei dem Josefsohn 2014 ein Best-of der Bilder aus seiner „Zeit“-Magazin-Kolumne veröffentlichte, schrieb zu dem Bildband, der Fotograf habe „in den vergangenen Jahren die Gratwanderung zwischen Provokation und Humor, zwischen ironischer Setzung und politischer Anstiftung genau austariert, um unbequem zu sein und genau dafür geliebt zu werden“. Der Satiriker Jan Böhmermann, den Josefsohn ebenfalls für das „Zeit“-Magazin fotografierte, twitterte: „Auf Wiedersehen, Daniel Josefsohn!“

Der Fotokünstler starb am Samstagmorgen in Berlin. Er wurde 54 Jahre alt.

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