ARD-Film : Nehmen ist selig, Geben ist selig

Wenn der Steueroberinspektor nicht mehr klingelt. „Eine Hand wäscht die andere“: Eine saftige Schmierenkomödie mit Ulrich Noethen.

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Guter Witz. Chlodwig Pullmann (Ulrich Noethen) sollte tatsächlich einen Strafzettel für sein falsch geparktes Auto bekommen. Als Polizist (Wilfried Mahler) den Steueroberinspektor erkennt, löst sich die Absicht in ein Lächeln auf. Foto: NDR
Guter Witz. Chlodwig Pullmann (Ulrich Noethen) sollte tatsächlich einen Strafzettel für sein falsch geparktes Auto bekommen. Als...Foto: NDR/Svenja von Schulzendorff

Wenn es allen gut gehen soll, warum soll es dann dem Steueroberinspektor schlecht gehen? Chlodwig Pullmann (Ulrich Noethen) hat dieses Verständnis von Leben und Leuten nicht nur zu seiner Handlungsmaxime gemacht, er hat es kommerzialisiert. Bei seinen Betriebsprüfungen sieht er mal gar nicht, manchmal ungenau hin, er ist, was für einen Finanzbeamten mehr als ungewöhnlich ist, im Betroffenenkreis höchst beliebt. Und er hat es weit gebracht: Sein Wein schmeichelt dem Gaumen, sein Haus ist eine Villa, aktuell träumt er von einem riesigen Wohnmobil. Die Komödie „Eine Hand wäscht die andere“ ist genau das: eine Anleitung zum Geben und Nehmen, eine Ableitung vom gesellschaftlichen Empörungsthema „Korruption“.

Das Intro ist charmant, die Hintergrundmusik säuselt französisches savoir vivre ins Zuschauerohr. Das lenkt zunächst in die falsche Richtung. Die Geschichte, entspannt aufgeschrieben von Volker Einrauch und Lothar Kurzawa, spielt in Stade, wo es norddeutscher kaum zugehen kann. Also ist der Humor trocken, sind die Menschen keine Charmebolzen, dafür Geradeausdenker, die eins und eins zusammenzählen können und sich – dank der „Betriebsprüferrabatte – auf drei verständigen können.

Und wenn sie nicht gestorben sind... Pullmann bekommt mit Jakob Kronibus (Alexander Scheer) einen neuen, scharfen Vorgesetzten. Der wundert sich erst, dann will er aufräumen in der bürgerfreundlichen Behörde. Das Do-ut-desPrinzip ist stadtweit in Gefahr. Bürgermeister Karsten Leimer (Waldemar Kobus) als wesentliches Schwungrad ist hochgradig nervös, Jenny Pullmann (Steffi Kühnert), die Frau des Steueroberinspektors hochgradig erfreut. Sie kämpft an vorderster Front vehement für einen Antikorruptionsbeauftragten – und nimmt doch gerne die Präsente an, die Ehemann Chlodwig aus der Aktentasche zaubert. Während Pullmann sein Paradies mehr und mehr verteidigen muss, eifert der 13-jährige Sohn Torben (Kristo Ferkic) dem Lügenpapa vorbildlich nach. Mit einer Unschuldsmiene sondergleichen klaut er Konzertkarten, knackt er Autos. In Stade, um Stade und um Stade herum bleibt der Apfel gleich am Baum.

Das Komödienpersonal wird dann noch – und nicht eben notwendigerweise – um Jenny Pullmanns behinderten Bruder Johnny (Peter Lohmeyer), die Finanzbeamtin Sina Brettschneider (Katja Danowski) und weitere Begünstiger und Begünstigte aufgestockt. Das gibt manche Unwucht in der schneller und schneller ablaufenden Geschichte, da ist Ablenkung drin, wo Konzentration gefragt ist.

Der Kern der 90 Minuten aber bleibt unbeschädigt – und der heißt Chlodwig Pullmann. Ulrich Noethen spielt ihn. Nonchalant, mit grandiosem Timing, voller Überzeugung für sein mitmenschliches Tun, zuweilen an der Kante zur Niedertracht, mit einem ordentlichen Posten Spießigkeit, wenn er in schrecklich kurzen Hosen den Campingwagen poliert. Noethen will nicht gefallen, keinen Robin Hood vorführen. Er ist Chlodwig Pullmann, der zusieht, dass auf seiner Seite des Lebens immer die Sonne scheint.

Die Regie der Hermine Huntgeburth dreht die Regler nicht hoch. Beiläufig werden die krummen Geschichten erzählt, mit einer Normalität ummäntelt, dass sich der Zuschauer alsbald dabei erwischt, wie er dem unrechten Tun sein Plazet erteilt. Komisch wird’s, wenn nicht auf komisch gemacht wird. Der Film schmunzelt vor sich hin.

„Eine Hand wäscht die andere“, das ist nicht die große Aufklärungskomödie. Es ist eine Provinzschnurre und in dieser ruhigen Seitenlage liegt die Kraft. Keine Millionen Euro werden verschoben, sondern da mal tausend, dort mal 20 000 Euro. Den Kreisverkehr der Geber und Nehmer transportiert die Komödie im Easy-GoingStil. Wie schön auch, dass die Moral nicht drückt und die Figuren nicht mit schwerer Psychologie motiviert werden. „In jedem Nein steckt ein Ja, das gefunden werden will“, sagt Pullmann. Heißt: Durch das geeignete Schmiermittel findet jedes Problem findet seine Lösung.

„Eine Hand wäscht die andere“, ARD, Mittwoch, 20 Uhr 15

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