ARD-Nachfolge für Tom Buhrow : "Tagesthemen": Thomas Roth wird Erster Moderator

Die ARD-Intendanten haben sich auf eine Nachfolgeregelung für den zum WDR wechselnden Tom Buhrow geeignet. Thomas Roth wird Erster Moderator, Caren Miosga bleibt Erste Moderatorin - und Ingo Zamperoni steigt auf

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Alles Gender, oder was? Thomas Roth und Caren Miosga moderieren künftig gleichberechtigt die „Tagesthemen“. Fotos: dpa
Alles Gender, oder was? Thomas Roth und Caren Miosga moderieren künftig gleichberechtigt die „Tagesthemen“. Fotos: dpaFoto: dpa

„Einvernehmlich“, diese Wertung war dem ARD-Vorsitzenden und NDR-Chef Lutz Marmor ganz wichtig. Einvernehmlich also haben die Intendantinnen und Intendanten den New-York-Korrespondenten Thomas Roth zum neuen Moderator der „Tagesthemen“ im Ersten bestimmt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gab es während der Sitzung der Intendanten keine Debatte über den Vorschlag. Was dafür spricht, dass im Vorfeld alle Seiten, sprich die Sender und die Betroffenen, zufriedengestellt werden konnten.

Thomas Roth folgt in dieser Position dem bereits ausgeschiedenen Tom Buhrow, der am 1. Juli sein neues Amt als WDR-Intendant antreten wird. Buhrow war bei der Arbeitssitzung in Mainz dabei, sicher ist sicher, damit sein Favorit für die eigene Nachfolge bei den „Tagesthemen“ auch durchs Ziel geht.

Thomas Roth, 61, wird den Titel „Erster Moderator“ tragen, ebenso wird Caren Miosga, 44, „Erste Moderatorin“ des ARD-Nachrichtenmagazins bleiben. Mehr Gleichberechtigung geht kaum, es fehlt nur noch der Titel „Herr Moderatorin“. Natürlich sind „Erster Moderator“ und „Erste Moderatorin“ merkwürdige, byzantinische Bezeichnungen, alldieweil es insgesamt nur drei Moderatoren bei den „Tagesthemen“ gibt.

Foto: dpa
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Die NDR-Mitarbeiterin Caren Miosga präsentiert die Sendung seit sechs Jahren. Ingo Zamperoni, ebenfalls NDR und als dritter Moderator bislang Vertreter beider Hauptmoderatoren, wird diese Aufgabe auch künftig erfüllen und verstärkt zum Einsatz kommen, teilte die ARD mit. Der 39-jährige Journalist bekommt eine Zukunftsperspektive: Scheidet Thomas Roth mit 65 Jahren aus, „ist es kein Geheimnis, dass Ingo Zamperoni dann gute Chancen hat“ auf Aufstieg und Aufgabe, wie Marmor sagte.

Der ARD-Vorsitzende urteilte über den Neuzugang: „Mit Thomas Roth bekommen wir einen hervorragenden Journalisten, der durch die vielfältigen Erfahrungen seiner bisherigen Arbeit eigene Akzente in den ,Tagesthemen’ setzen wird.“ Tom Buhrow wollte Marmor nicht nachstehen und steigerte das Lob für seinen Nachfolger: „Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, mit Thomas Roth genau den Richtigen für meine alte Redaktion zu gewinnen. Er ist in allen Themenbereichen äußerst kompetent, bekannt für seine exzellenten Interviews, ist glaubwürdig und bei den Zuschauerinnen und Zuschauern sehr beliebt.“

Ingo
IngoFoto: picture alliance / dpa

Der WDR hat traditionell das Vorschlagsrecht für diese Position und hat sich mit dem WDR-Mitarbeiter Roth entsprechend durchgesetzt. Jede andere Lösung hätte Tom Buhrow, den künftigen Intendanten in Köln, noch vor seinem Arbeitsbeginn geschwächt.

Thomas Roth wird am 1. August die „Tagesthemen“ erstmals moderieren. Aus der Ferne ließ er verlauten: „Ich denke, ich kann nach 33 Berufsjahren auch in sehr schwierigen Gebieten und Situationen eine Menge Erfahrung in das Team und in die Moderation der ,Tagesthemen’ einbringen.“ Da er viele Jahre unter anderem als Korrespondent für die „Tagesthemen“-Redaktion gearbeitet habe, kenne er diese gut und wisse, wie hochprofessionell sie sei. „Besser könnten die Voraussetzungen nicht sein.“

Der gebürtige Heilbronner nannte die Offerte, von New York nach Hamburg zu wechseln, in einem dpa-Gespräch „ein Angebot, dem man einfach nicht absagen kann“. Er freue sich darauf, die „Tagesthemen“ zu moderieren und „hoffentlich auch zu profilieren“. Er kenne die Sendung „sehr, sehr gut“, wenn er nicht auf Reisen gewesen sei, habe er mindestens jede zweite Ausgabe gesehen. Trotz seiner Korrespondenzen habe er immer wieder Zeiten in Deutschland gehabt, nicht zuletzt, als er von 2002 bis 2007 das ARD-Hauptstadtstudio geleitet habe. Der enge Kontakt zum deutschen Publikum sei extrem wichtig, damit „man weiß, was die Menschen in Deutschland beschäftigt. Ich freue mich sehr darauf, um das Interesse und die Sympathie der Zuschauerinnen und Zuschauer zu werben“.

Die „Tagesthemen“ sind nach ARD-Angaben zurzeit auf einem sehr erfolgreichen Kurs. Sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr hätten sie mit durchschnittlich mehr als 2,5 Millionen Zuschauern Rekordquoten erreicht.

Auch der skandalgeschüttelte Kinderkanal von ARD und ZDF kann mit neuer personeller Perspektive in die Zukunft gehen. Für den fristlos entlassenen Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp – ihm werden Korruption und Unterschlagung vorgeworfen – kommt Michael Stumpf aus der ZDF-Redaktion Kinder und Jugend.

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