ARD-Talkshows : Anne Will für Günther Jauch, Polittalk für Politboulevard

Die ARD will eine rasche, glatte Lösung: Anne Will kommt für Günther Jauch, die Zahl der Talks soll von vier auf drei sinken

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Es bleibt im kleinen Kreis. Günther Jauch talkt noch bis Ende 2015 am Sonntag, Anne Will war seine Vorgängerin und ist erste Kandidatin für die Nachfolge.
Es bleibt im kleinen Kreis. Günther Jauch talkt noch bis Ende 2015 am Sonntag, Anne Will war seine Vorgängerin und ist erste...Fotos: dpa/NDR

Das kann jetzt sehr schnell und sehr glatt über die Bühne gehen. Anne Will übernimmt wieder den Talkshowplatz am Sonntag im Ersten. Damit wäre die Nachfolgefrage für Günther Jauch rasch gelöst. Jauch hatte dem verantwortlichen Norddeutschen Rundfunk (NDR) in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass er auf die angebotene Vertragsverlängerung verzichten möchte. Damit endet „Günther Jauch“ am Ende dieses Jahres.
Aus dem Inneren des ARD-Walfisches war am Montag zu hören, dass die Granden des Senderverbundes tatsächlich diese Lösung anstreben: „Anne Will“ wechselt von Mittwoch zurück auf Sonntag, zugleich wird die Zahl der Talksendungen von jetzt vier – „Günther Jauch“, „hart aber fair“, „Menschen bei Maischberger“, „Anne Will“ – zum Jahresbeginn 2016 auf drei zurückgefahren.


Die frühere „Tagesthemen“-Moderatorin Anne Will hatte den Sonntagstalk 2007 von Sabine Christiansen übernommen und bis 2011 moderiert. Dann erklärte der von der ARD lange umworbene Jauch, er wolle jetzt neben RTL auch für das Erste arbeiten, sprich am Sonntag talken. Der damalige und heutige NDR-Intendant Lutz Marmor übermittelte Anne Will die Nachricht ihrer "Versetzung" per Fax. Das war schon sehr nonchalant, eigentlich war es feige.
Will hatte ausweislich ihrer Sonntagsauftritte sehr ordentliche Arbeit geleistet und vor allem jenes Talkgenre bedient, das sie seit der Verschiebung auf Mittwoch überzeugend traktiert: die politische Talkshow. Das war und ist nicht eben der Überzeugungskern und die Kernkompetenz von Günther Jauch. Das hat, auch das war am Montag zu erfahren, immer wieder zu Reibereien mit dem NDR geführt, selbst in der Redaktion von „Günther Jauch“ war die Freude über den (Polit-)Boulevard-Stil des Moderators nicht ungeteilt. Und der Moderator selbst scheint der internen wie der externen Kritik und der Querelen überdrüssig zu sein. Der Talker Günther Jauch, der im kommenden Jahr 60 wird, geht, der Fernsehunternehmer bleibt. Eine künftige Zusammenarbeit mit der ARD gilt keineswegs als ausgeschlossen.
Die Regelung der Jauch-Nachfolge soll nicht zu einer Totaloperation im Ersten Deutschen Fernsehen führen. „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg bliebe auf dem Montagsplatz, „Menschen bei Maischberger“ würde unverändert am Dienstag ausgestrahlt.
Also „Anne Will“, die politische Talkshow“ am Sonntag im Ersten nach dem „Tatort“, nach dem Krimi der Politkrimi? Die Signale deuten in genau diese Richtung, gleichwohl halten sich alle Verantwortlichen bedeckt. Anne Will schweigt. Wahrscheinlich wird es früher Herbst, bis alles besprochen und verhandelt ist, wahrscheinlich gibt es ein neues Studio, es soll ja nicht alles nur nach bloßer Wiederkehr aussehen.
RTL teilte mit, dass der Sender seine „erfolgreiche Zusammenarbeit mit Günther Jauch fortsetzen“ wird. „Wer wird Millionär?“, „Die 2“, alles hatte und hat seinen Platz.

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