ARD und Transparenz : Geld und Geheimnisse

ARD will mehr Transparenz, was die Ausgabenpolitik des Senderverbunds betrifft. Die Honorare der Experten sollen aber weiter verschwiegen werden.

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Kommt Bastian Schweinsteiger? Nachfolger von Mehmet Scholl als ARD-Experte an der Seite von Matthias Opdenhövel (links) könnte wieder ein Ex-Bayern-Profi werden.
Kommt Bastian Schweinsteiger? Nachfolger von Mehmet Scholl als ARD-Experte an der Seite von Matthias Opdenhövel (links) könnte...Foto: WDR/Montage: Tsp

Zum Wesen der Transparenz gehört, dass sie immer nach noch mehr Transparenz verlangt. So hat die ARD jüngst veröffentlicht, dass sie acht Sportexperten in der Saison 2015/2016 insgesamt 1,2 Millionen Euro an Honoraren bezahlt hat. Nicht veröffentlicht hat sie, was zum Beispiel der Fußballexperte Mehmet Scholl oder die Schwimmexpertin Franziska van Almsick verdient hat. Wesentliches Argument war und ist, dass bei einer Offenlegung die Wettbewerbsfähigkeit der ARD gegenüber der Senderkonkurrenz leiden würde.

In dieser Haltung sieht sich der Senderverbund jetzt durch ein Gutachten des Heidelberger Rechtsprofessors Paul Kirchhof bestärkt. Die ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille sagte bei der Konferenz der Senderchefs am Mittwoch, dass das Gutachten ein „System von Transparenzverpflichtungen“ ausdifferenziere. Laut Kirchhof seien Formen zusätzlicher Transparenz wie der Ausweis von Gesamtbudgets, pauschalisierte Angeben zu Honoraren oder Gehältern und Kostengesamtvergleiche für bestimmte Sendungen nicht ausgeschlossen. Dies findet seine Grenzen aber dort, wo der Wettbewerb zwischen Rundfunkanbietern um Programme, Rechte, Mitwirkende dadurch verfälscht würde, „dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk für seine Konkurrenten durchgehend transparent sein müsste. Erwirbt der öffentlich-rechtliche Rundfunk Rundfunkrechte in Konkurrenz zu privaten Unternehmen, so setzt sowohl der Rundfunkauftrag als auch das Wettbewerbsrecht der Information über Kaufbudgets, Entgeltbereitschaft und konkrete Kaufabsichten klare Grenzen.“

Kommt Schweinsteiger für Scholl als ARD-Experte?

ARD-Programmdirektor Volker Herres unterstrich, dass das Erste immer die Balance zwischen dem gewollten Prinzip der Transparenz und dem Anspruch, mit dem Geld der Beitragszahler vernünftig umzugehen, finden müsse. Der Nachfolger des ausgeschiedenen Mehmet Scholl wird nicht befürchten, dass er qua Vertragsabschluss seine Bereitschaft zur Veröffentlichung seines Entgeltes beurkundet. „Wir sollten die Regeln nicht ändern“, sagte Herres mit Blick auf die Honorare der Experten, Moderatoren und Schauspieler. Kommt übrigens Bastian Schweinsteiger für den gegangenen Mehmet Scholl? Dessen Nachfolger als ARD-Experte an der Seite von Matthias Opdenhövel könnte wieder ein Ex-Bayern-Profi werden. Darüber denke die ARD nach, schreibt „Sport Bild“. „Schweini“ spielt bei Chicago Fire. Während der WM-Gruppenphase im Sommer 2018 pausiert die nordamerikanische Major League Soccer, Schweinsteiger hätte Zeit. Auch Philipp Lahm sei ein Kandidat.

Zur allgemeinen Balance aus Transparenz und Nichttransparenz kommt immer auch die persönliche Befindlichkeit. Während die Durchschnittsgehälter der Senderspitzen in den neun Landesrundfunkanstalten mittlerweile publik sind, verschweigt ARD-Programmchef Herres, 60, sein Gehalt weiterhin. Er habe Probleme mit der Veröffentlichung, sagte er. Egal, die ARD hat seinen Vertrag, der Ende 2018 ausläuft, um drei Jahre verlängert. ARD-Chefin Wille lobte, Volker Herres sei ein „Qualitätsführer“ im deutschen Fernsehen.

Apropos Geld. WDR-Intendant Tom Buhrow hat sein Jahresgehalt von 399 000 Euro verteidigt. „Ich sag‘ immer bei so was: Man kann das immer weiter treiben mit dem Neid“, erklärte er. „Man kann immer sagen ,weniger, weniger, weniger‘, und dann landet man am Ende bei den Milliardären, die es ehrenamtlich machen können.“ Wohin das führe, sehe man zurzeit in Amerika. Tom Buhrow als Chef der größten ARD-Anstalt ist Spitzenverdiener unter den Intendantinnen und Intendanten.

"Faktenfinder" machen weiter

Bei ihrer Tagung beschlossen diese auch, das gegen Fake News gerichtete Projekt namens „Faktenfinder“ um zunächst zwei Jahre zu verlängern. Das Team überprüft gezielt im Internet verbreitete Falschinformationen und setzt ihnen eigene Rechercheergebnisse entgegen. Die Ergebnisse werden dann auf der Seite faktenfinder.tagesschau.de und über die sozialen Netzwerke verbreitet. Wie der Senderverbund mitteilte, erzielten die Veröffentlichungen von Faktenfinder im Internet von April bis August 15 Millionen Aufrufe. Das größte Interesse habe es rund um den G-20-Gipfel im Juli gegeben.

„Nicht glücklich“ sind die Intendanten mit dem TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz. Man hätte sich mindestens zwei Duelle gewünscht, Kanzlerin Merkel habe sich aber nur für eines zur Verfügung gestellt, sagte Herres.

Man habe sich letztlich die Frage stellen müssen: „Machen wir’s oder lassen wir’s?“ Es sei eine Güterabwägung gewesen, und da sei die ARD zu dem Schluss gekommen, dass ein Verzicht größere Nachteile gehabt hätte. Das überwältigende Interesse – mit mehr als 16 Millionen Zuschauern war es die meistgesehene Sendung des Jahres – habe diese Entscheidung bestätigt. Wie man es in vier Jahren machen werde, könne man jetzt noch nicht sagen, sagte Herres.

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