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ARD und ZDF verzichten auf Übertragung aus Katar : Deutsche WM-Handballer nicht im Fernsehen

Schwarzer Bildschirm bei der Handball-WM: Die Öffentlich-Rechtlichen geben die Schuld Rechteinhaber beIN. Angeblich geht es um Beschränkungen der Satelliten-Ausstrahlung.

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Spielt gut, sieht gut aus - nur nicht im Fernsehen: Die deutsche Handballnationalmannschaft.
Spielt gut, sieht gut aus - nur nicht im Fernsehen: Die deutsche Handballnationalmannschaft.Foto: dpa

Der deutsche Handball steht bei der Weltmeisterschaft vor einem TV-Blackout. ARD und ZDF haben am Dienstag die Verhandlungen über die Fernsehrechte für das Turnier in Katar offiziell als gescheitert erklärt. Hintergrund sei, so erklärten die öffentlich-rechtlichen Sender, dass trotz einer fristgemäßen Abgabe eines marktgerechten Angebots für die Rechte im August durch die Sportrechteagentur SportA von ARD und ZDF erst am Montag eine Rückmeldung des Rechtegebers beIN erfolgt sei, auf deren Basis jedoch keine Verhandlungen aufgenommen werden könnten. "Da wir trotz wiederholter Aufforderungen erst gestern eine nicht akzeptable Antwort auf unser Angebot erhalten haben, müssen wir von einer großflächigen Übertragung der Handball-WM in unseren Programmen Abstand nehmen. Programmplanerisch müssen wir jetzt die Sendeplanung
für Januar 2015 final festlegen", sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Zugleich sei für Organisation und Logistik ein Zeitpunkt erreicht, an dem nicht mehr gewährleistet sei, dass Live-Übertragungen aus Katar in der von ARD und ZDF gewohnten Qualität garantiert werden könnten.

Knapp sechs Wochen vor WM-Beginn hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) kein anderer deutscher Sender Rechte erworben. Daher wird der Handball-Höhepunkt 2015 nach derzeitigem Stand unter Ausschluss der deutschen TV-Öffentlichkeit stattfinden. Für die großen Medienunternehmen ist es zu spät, die notwendigen Vorbereitungen für eine Großveranstaltung bis zum 15. Januar zu organisieren. Auf die Schnelle wäre das allenfalls für Nischenanbieter möglich, doch für diese dürften die Rechtekosten zu hoch sein. Für die Fans ist eine Fernseh-Blackout eine riesige Enttäuschung. Für die deutschen Handballer, die nur dank einer Wildcard in Katar spielen dürfen, ist ein Turnier ohne Fernsehzuschauer aus PR- und Marketingsicht eine Katastrophe. „Wenn das das letzte Wort ist, ist das ein Schlag in den Nacken“, erklärte Frank Bohmann. Der Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL sieht dadurch auch die Bemühungen für eine starke deutsche Nationalmannschaft torpediert.

"Wir als nationaler Verband können nichts machen"

„Wir haben davon keinen finanziellen Schaden, aber es ist ein Schaden für den ganzen Sport“, klagte Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Eine "bilderlose" WM habe auch Auswirkungen auf die Liga. „Wir bekennen uns zur Nationalmannschaft als Lokomotive, aber wenn das keiner sieht, werden die Bemühungen um die Nationalmannschaft unzureichend bemerkt.“ Präsident Bauer sieht keine Einflussmöglichkeit. „Der DHB hat mit allen Akteuren gesprochen und unterstrichen, wie wichtig das auch für die Bevölkerung ist“, sagte der Präsident: „Aber wir als nationaler Verband können nichts machen.“

ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz sagte, er sei „enttäuscht und irritiert“. Er bedauere, "dass wir von diesem Großereignis in einer bei den deutschen Fernsehzuschauern beliebten Sportart aufgrund der mangelnden Gesprächsbereitschaft und der Nichteinhaltung bereits vor Monaten gegebener schriftlicher Zusagen seitens des Rechtegebers nicht werden berichten können." Die Sportart Handball werde aber auch weiterhin ihren festen Programmplatz im Sportangebot von ARD und ZDF haben. Die Sender würden sich um die Möglichkeit der nachrichtlichen Berichterstattung von der WM in ihren aktuellen Sendungen bemühen, sagte Gruschwitz. Am Geld soll es nicht gescheitert sein. Vielmehr wurde den Sendern eine Ausstrahlung über bestimmte Satelliten untersagt. Das würde auch anderen Interessenten Probleme bereiten, so dass eine Lösung für den deutschen Markt unmöglich scheint.

Der Spartensender Sport1, der zuletzt WM-Spiele ohne deutsche Beteiligung zeigte und die Bundesliga überträgt, hatte wiederholt erklärt, keine Verhandlungen zu führen. „Sport1 stand und steht für Gespräche jeder Art zur Verfügung“, sagte ein Sprecher am Dienstag. „Diese haben allerdings bislang noch immer nicht stattgefunden.“ Der Sportsender hat aber auch das Problem, dass er  - neben anderen Verbreitungswegen - wie
ARD und ZDF unverschlüsselt über Satellit ausstrahlt. Auch der Pay-TV-Sender Sky, der seit Beginn der Saison die Handball-Champions-League im Programm hat, bestätigte, keine WM-Rechte erworben zu haben. RTL und die ProSiebenSat1-Gruppe haben nach eigenen Angaben kein Interesse an der Handball-WM.

Rechteinhaber ist beIN Sports, eine Tochtergesellschaft des katarischen TV-Imperiums Al Jazeera, die bei der Weitervermarktung mit einer englischen Agentur zusammenarbeitet. Die Internationale Handball-Föderation (IHF) hatte die weltweiten Rechte für die Rekordsumme von rund 80 Millionen Euro verkauft. Dieser Deal hatte für Aufsehen gesorgt, weil das Unternehmen aus Katar erstmals ein solches Sportpaket erwarb und die IHF rund 66 Prozent mehr als aus dem vorherigen Kontrakt mit UFA Sports einnahm. Der Vertrag umfasst je zwei Weltmeisterschaften bei den Männern - 2015 in Katar und 2017 in Frankreich - und bei den Frauen 2015 in Dänemark und 2017 in Deutschland.

Am späteren Dienstagnachmittag meldete sich noch Frank Steffel, Bundestagsabgeordneter der CDU/CSU-Fraktion und Obmann des Sportausschusses, zu Wort: "Diese Entscheidung darf nicht das letzte Wort sein! Wenn der Gesprächsfaden zwischen der ARD, ZDF und Al Jazeera gerissen ist, brauchen wir jetzt einen kompetenten Mediator. Ich bin sicher, dass die technischen Herausforderungen überwunden werden können und eine WM-Übertragung doch möglich ist." Auch der Internationale Handballverband sei gefordert: Die Wildcard für Deutschlands WM-Teilnahme sei mit der großen Begeisterung in Deutschland für den Handball begründet worden. "Keine Übertragung der WM führt diese Entscheidung ad absurdum", sagte Steffel. (mit dpa)

 

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