AUGENringe : Deutschland ist nicht cool

Was kann das Fernsehen dafür, dass die Deutschen Medaillen in Wettbewerben gewinnen, die im Fernsehen nicht gut aussehen? Eine Menge.

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Für Sportübertragungen im Fernsehen gilt ungefähr das gleiche wie für alle anderen Fernsehformate auch: Damit es nicht langweilig wird, braucht man Helden und Schurken, man braucht eine gute Geschichte, einen Spannungsbogen, und zum Schluss sollte es entweder ein Happy End geben oder eine Katastrophe.

Und damit wären wir bei den Schwimmübertragungen des ZDF. Die Katastrophen sind hier die Fernsehmenschen Katrin Müller-Hohenstein, Christian Keller und Thomas Wark, die immer noch glauben, dass die deutschen Sportler – also die anderen Katastrophen – tatsächlich Mitleid verdienen, und die darüber vergessen, wie lässig, wie spannend Schwimmen sein kann, wenn man es den Australiern, den Franzosen und den Amerikanern überlässt. Die haben Spaß an ihrem Sport, die genießen Olympia, die wissen, dass das ihre Show ist. Man schaut ihnen gerne bei der Arbeit zu.

Nicht so gerne schaut man den Reitern zu. Leider sind die Deutschen im Reiten sehr erfolgreich, deshalb zeigt uns das Fernsehen diese langweiligen Veranstaltungen mit erschreckend schnell gealterten Menschen, die nicht zu Helden taugen, nicht zu Stars. Es ist alles ein bisschen, na ja, fragwürdig, manche Kommentatorensätze haben das leider unterstrichen. Dummerweise holen die Deutschen in den Sportarten Medaillen, die ein bisschen uncool sind und im Fernsehen nicht gut aussehen: Reiten, Rudern, Judo. Zum Glück ist Cabrio fahren nicht olympisch.

Die Schwimmerin Britta Steffen, die – sollte mal einer auf die absurde Idee kommen ihr Leben zu verfilmen – dann von Veronica Ferres gespielt wird, sagte nach ihrem Ausscheiden sichtlich glücklich, sie habe sich sehr darüber gefreut, wie schnell die anderen geschwommen sind. Dazu hätte sie nicht ins Becken springen müssen. Im Fernseher war das auch sehr gut zu erkennen. Matthias Kalle

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