AUGENringe : Prolls auf Liegestühlen

Olympia sieht im Fernsehen super aus – wenn all die Deutschen nicht wären. Zum Glück gibt es den ARD-Moderator Tom Bartels.

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Ja, es ist natürlich noch viel zu früh, um eine Bilanz zu ziehen, selbst das Ziehen einer Halbzeitbilanz könnte etwas, nun ja, unseriös wirken, es sind ja erst mal gerade drei Tage Olympische Spiele – welchen Erkenntnisgewinn will man denn danach schon haben?

Och, eine ganze Menge, wenn man sich jeden Tag von morgens früh bis abends spät anschaut, was ARD und ZDF da so liefern – und weil ich meinen Job ernst nehme, habe ich alles geschaut, was bisher kam, und deshalb habe ich nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, eine Bilanz zu ziehen, und die geht so: Olympia sieht im Fernsehen super aus – wenn all die Deutschen nicht wären.

Das begann beim Einmarsch der Nationen, bei dem jedes Land eine gute Figur machte, bis auf die Deutschen, die in ihren bonbonfarbenen Prolljogginganzügen aussahen, als würden sie in London die Liegestühle suchen, um ihre Handtücher draufzulegen. Die Schwimmer haben diese Liegestühle wohl auch gefunden, ihre Form allerdings nicht, und deshalb schauten sie auch immer so ratlos in die Kameras mit ihren Sporthilfegesichtern, und wenn sie sprachen, da dachte man, dass Olympia wohl schon vorbei ist – so klein und belanglos und dumm war das alles. Zum Glück übernahm am Sonntag die ARD, und Tom Bartels, bester Mann der Europameisterschaft, bewies seine Kennerschaft im Schwimmen: Der Mann kennt jeden, der in den vergangenen vier Jahren mal eine Badekappe aufgesetzt hat, ihm zuzuhören war ein Genuss, so wie es übrigens generell ein Genuss ist, wenn Kommentatoren über Sportarten reden, die sie lieben, von denen sie Ahnung haben. Davon kann man gar nicht genug kriegen – von deutschen Leistungsverweigerern vor hinter und neben der Kamera allerdings schon. Der Typ, der in der ARD das Telegramm vorliest, steht ab jetzt unter Beobachtung. Matthias Kalle

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