AUGENringe : Schmalzstulle mit Dirk Thiele

Rund um die Uhr berichtet Eurosport von den Olympischen Spielen aus London. Doch wer den Spartensender einschaltet, bekommt eine Mischung aus Spezialistenfernsehen und Kaffeekränzchen geboten. Ein zweifelhaftes Vergnügen.

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Olympia, Eurosport, ARD, ZDFEine bemerkenswerte Weise, die Olympischen Spiele vorm Fernseher zu verbringen, ist die mit Eurosport. Wenn bei ARD und ZDF TV-olympisch der Hammer fällt, nach 15 Stunden Übertragung, nachts um eins, bringt der Spartensender der Europäischen Rundfunk-Union (EBU) weiter Olympia. Weiter, immer weiter, die ganze Nacht, den ganzen Tag. Gebe es Olympia nicht, es müsste für Eurosport erfunden werden. Anders als bei den Öffentlich-Rechtlichen ist die Bandbreite der übertragenen Sportarten deutlich größer, was an sich nicht verkehrt ist. Eurosport gewann den Deutschen Fernsehpreis 2008 in der Kategorie „Beste Sportsendung“ für seine Berichterstattung von den Sommerspielen 2008 in Peking. Stellvertretend nahmen die Kommentatoren Sigi Heinrich und Dirk Thiele die Auszeichnung entgegen. Beide haben es in der Form der saloppen Doppel-Kommentierung bei Live-Events („hast du heute Morgen Boris Becker gesehen?“) zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Dieses Mal dürfte Thiele leer ausgehen. Dem Mann über Stunden bei der Arbeit zuzuhören, wie am Sonntag beim Frauen-Marathon, ist schon ein zweifelhaftes Vergnügen. Der 69-Jährige ist in der ohnehin um Stanzen selten verlegenen Sportreportergilde ein Exot. Da wird „oh jemineh!“ gerufen, „ordentlich Gas“ oder „Fersengeld gegeben“ und im Marathon-Endspurt die „Schmalzstulle rausgeholt“. Mahlzeit. Hin und wieder geht die Leidenschaft, gar der Patriot im Kommentator durch. Dafür kennt Thiele jedes Weltcup-Rennen in Kasachstan oder Kolumbien seit 1968. Das Thema Doping lassen wir jetzt mal außen vor. Eurosport mit Dirk Thiele ist eine Mischung aus Spezialistenfernsehen und Kaffeekränzchen, ohne Oberschenkelvermessung. Eurosport ist eine Bestätigung der These – dass der Sport alleine genug Unterhaltung ist.Markus Ehrenberg

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