Ausgezeichnet : Zweite Heimat

Das „Argentinische Tageblatt“ wird mit dem Medienpreis „Dialog für Deutschland“ geehrt. Die Zeitung erreicht von Buenos Aires aus 200 000 Leser.

Nico Schmidt
Tradition. Das „Argentinische Tageblatt“ erscheint seit 1889 in Buenos Aires. Repro: Tsp
Tradition. Das „Argentinische Tageblatt“ erscheint seit 1889 in Buenos Aires. Repro: Tsp

Samstags an einem Kiosk in Buenos Aires: Zwischen den aktuellen Ausgaben der Tageszeitungen „Clarín“, „Crónica“ und „La Nación“ liegt das „Argentinische Tageblatt“. Jedes Wochenende erscheint die deutschsprachige Zeitung in Argentinien, wo knapp 500 000 deutschstämmige Bürger leben. Die 1889 vom Schweizer Journalisten Johann Alemann gegründete Zeitung berichtet über Lokalnachrichten, europäische Politik und die deutsche Gemeinde in Argentinien. Für seine journalistische Qualität ist das „Tageblatt“ am Mittwochabend in Berlin von Bundestagspräsident Norbert Lammert mit dem Medienpreis „Dialog für Deutschland“ ausgezeichnet worden, initiiert von der Stiftung „Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland“.

Stefan Kuhn, Chefredakteur der Zeitung, sprach von einer „ausgelassenen Stimmung in der Redaktion“ nach der Nachricht von der Auszeichnung. Fünf Redakteure gestalten in der Hauptstadt Buenos Aires die Zeitung, die knapp 200 000 Leser erreicht. Mit einem auf Europa fokussierten Mantelteil und Landesnachrichten im Kern wirkt das „Argentinische Tageblatt“ wie eine aus Deutschland ausgewanderte Tageszeitung.

Weltweit gibt es knapp 100 deutschsprachige Tages-, Wochen- und Monatszeitungen im Ausland. Neben dem „Argentinischen Tageblatt“ wurde in Berlin mit der „Prager Zeitung“ ein weiteres Wochenblatt mit einem Sonderpreis geehrt. Die Jury lobte das Erscheinungsbild, die hohe Qualität der Artikel und den Einsatz moderner Kommunikationswege. Die „Prager Zeitung“ wendet sich vorrangig an die deutschsprachige Minderheit in der tschechischen Hauptstadt, ein Service-Teil im Blatt direkt an Touristen.

In den vergangenen Jahren gab es – vor allem an touristischen Zielen – eine Vielzahl von Zeitungsneugründungen: Titel wie „Discover Middle East“ (Dubai), „Feel SA“ (Kapstadt) oder „Alaturka-Journal“ (Istanbul). Zugänge und Abgänge halten sich in etwa die Waage. Viele deutschsprachige Zeitungen im Ausland verlieren allerdings an Leserschaft. Die deutschen Minderheiten dort geben die Sprache nicht weiter oder gehen zurück nach Deutschland. Chefredakteur Kuhn vom „Argentinischen Tageblatt“ schätzt, dass seine Leser im Durchschnitt über 70 Jahre alt sind.

Um junge Leser für die Zeitung zu gewinnen, brachte das „Argentinische Tageblatt“ deswegen 2011 eine Smartphone- und Tablet-Version der eigenen Zeitung auf den Markt. Die „Prager Zeitung“ plant noch in diesem Jahr, die eigenen Inhalte in einer App aufzubereiten. Björn Akstinat, der Geschäftsführer der Internationalen Medienhilfe, sieht für junge Leser „häufig keine andere Möglichkeit, an deutschsprachige Lokalnachrichten zu kommen “. Auch aus diesem Grund bezeichnete die Jury deutschsprachige Auslandszeitungen als eine „Brücke in die Heimat“. Nico Schmidt

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