• Austritt und Eintritte bei "Reporter ohne Grenzen": Redakteure der Deutschen Welle stellen sich gegen Intendant Limbourg

Austritt und Eintritte bei "Reporter ohne Grenzen" : Redakteure der Deutschen Welle stellen sich gegen Intendant Limbourg

Nach dem Streit zwischen "Reporter ohne Grenzen" und dem DW-Chef über die China-Politik des Auslandssenders hat Limbourg das Kuratorium von ROG verlassen. DW-Redakteure treten jetzt massenhaft in die Organisation ein

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Die Deutsche Welle veranstaltet zum 60-jährigen Jubiläum das Global Media Forum.
Die Deutsche Welle veranstaltet zum 60-jährigen Jubiläum das Global Media Forum.Foto: dpa

Peter Limbourg, der Intendant der Deutschen Welle (DW), wird an keiner Stelle des Briefes erwähnt. Aber sowohl die Absender als auch der Empfänger wissen, um wen und worum es geht. Das Schreiben vom 5. Dezember, das dem Tagesspiegel vorliegt, kommt vom Redakteurausschuss der Welle, der Adressat ist die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG). Darin betont der Ausschuss, wie sehr die DW-Redakteure die Arbeit von "Reporter ohne Grenzen" schätzen würden. Die Redakteure wollen sich damit auch gegen Intendant Peter Limbourg positionieren, der sich Ende November aus dem ROG-Kuratorium zurückgezogen hatte. Er hatte seinen Schritt damit begründet, angesichts der Kritik der Organisation an der China-Politik des Auslandssenders könne die Zusammenarbeit in der bisherigen Weise nicht fortgesetzt werden. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr konterte, der Intendant sei einer zweifachen Aufforderung der Organisation nachgekommen.

Kritik richtet sich gegen China-Politiker des Senders

Nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes (epd) bat die Organisation nach eigenen Angaben Limbourg Mitte November schriftlich um seinen Rückzug. Daraufhin habe die Deutsche Welle vorgeschlagen, statt des Intendanten einen anderen Vertreter des Senders in das Kuratorium zu entsenden. Das lehnte „Reporter ohne Grenzen“ laut Mihr jedoch ab, da sich die Kritik nicht auf Limbourg als Person bezogen habe, sondern auf die gesamte China-Politik der Deutschen Welle. Diese sei mit den Grundsätzen der Organisation nicht vereinbar. Mit Schreiben vom 26. November forderte Mihr Limbourg erneut auf, aus dem Kuratorium auszuscheiden, und erklärte: „Andernfalls müssten wir die Berufung in das Gremium beenden.“ Der Intendant erklärte noch am gleichen Tag seinen sofortigen Rückzug.

„Reporter ohne Grenzen“ hat die strategische Ausrichtung der Deutschen Welle gegenüber China in den vergangenen Monaten mehrfach scharf kritisiert. Anlass war vor allem die Kooperation des Senders mit dem chinesischen Staatsfernsehen CCTV, die nach Ansicht von „Reporter ohne Grenzen“ dem Programmauftrag der Deutschen Welle widerspricht. CCTV sei ein wichtiger Teil des staatlichen Repressionsapparats gegen chinesische Journalisten, sagte Mihr. Die Deutsche Welle hatte die Zusammenarbeit mit dem Staatsfernsehen in den Bereichen Musik und Wirtschaft im September bekanntgegeben. Limbourg begründete diese damit, dass der Sender einen Dialog mit China beginnen wolle.

Im Schreiben des DW-Redakteursausschusses an „Reporter ohne Grenzen“ heißt es, seit Bekanntwerden der "Kontroverse zwischen der Geschäftsleitung der Deutschen Welle und Reporter ohne Grenzen haben sich sehr viele Kollegen an den Redakteursausschuss gewandt". Sie zeigten sich betroffen und bestürzt über die Beendigung der Zusammenarbeit, ausgelöst durch die Kooperation mit Chinas staatlichem Fernsehsender CCTV. "Viele Kollegen brachten zum Ausdruck, dass sie die Ziele von Reporter ohne Grenzen vollinhaltlich unterstützen und die Deutsche Welle als natürlichen Partner von ROG betrachten." Das gelte nicht allein für die Kollegen, die für Zielgebiete arbeiteten, in denen das Recht auf freie Meinungsäußerung mit Füßen getreten werde, sondern über Redaktions- und Sprachgrenzen hinweg. "Wir wünschen uns", heißt es in dem Schreiben weiter", die Zusammenarbeit der DW mit ROG in diesem Geiste fortzusetzen". ROG hätte sicher festgestellt, "dass in den letzten Tagen viele Kollegen Ihrer Organisation beigetreten sind". Das zeige, wie sehr die Arbeit von "Reporter ohne Grenze" geschätzt werde.

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