Beförderung für Friederike Kempter : Julias Revier

Seit zehn Jahren ist sie Assistentin in Deutschlands erfolgreichstem "Tatort": Nun schlägt sich Friederike Kempter durch eine eigene Serie.

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Ein Colt für alle Fälle. Friederike Kempter, 33, spielt seit zehn Jahren im Münsteraner „Tatort“. Nun ist sie zur Elitepolizistin im ARD-„Hauptstadtrevier“ befördert worden. Foto: ARD
Ein Colt für alle Fälle. Friederike Kempter, 33, spielt seit zehn Jahren im Münsteraner „Tatort“. Nun ist sie zur Elitepolizistin...Foto: ARD/Daniela Incoronato

Sie erscheint auf die Minute pünktlich im „Anna Blume“, dem Café im Prenzlauer Berg. Geht auf den hintersten Platz, unbemerkt. Obwohl Friederike Kempter Deutschlands schönste Assistentin in Deutschlands erfolgreichstem Krimi ist, dem Münsteraner „Tatort“. Erst am Sonntag wieder sahen über zwölf Millionen Zuschauer zu, wie sich die Ermittler Thiel und Boerne alias Axel Prahl und Jan Josef Liefers durch 90 Minuten auf dem Lande feixten. Rekordwert. Friederike Kempter steht da als Kommissaranwärterin Nadeshda Krusenstern immer ein bisschen im Hintergrund. Das kann sich nun ändern. Mit einer Beförderung im Ersten. In der neuen ARD-Serie „Hauptstadtrevier“ spielt sie die Berliner Elitepolizistin Julia Klug.

Eine Beförderung in den Vorabend – ein Glücksgefühl für die 33-Jährige? „Als ich letztes Jahr nach zwölf Jahren Fernsehen eine Art Zwischenbilanz gezogen habe, habe ich mir vorgenommen, das Wagnis einzugehen, eine Serie tragen zu wollen“, sagt die Schauspielerin. Sie nippt an ihrer Apfelschorle, lehnt ihr Kinn dann nachdenklich auf ihre Arme, den Tisch, als ob sie sich ein bisschen kleiner machen möchte. Kommt aber gleich wieder hoch. Die Bücher von „Hauptstadtrevier“ hätten ihr sofort gefallen. „Ich hab’ den Produzenten angerufen und gesagt: ,Ich spiel’ die Julia Klug‘.“

Kleinermachen hilft auch in dieser Branche wenig. Und in Friederike Kempters Terminkalender steht nicht nur der „Tatort“. Ihre Vielseitigkeit hat sie in „Add a Friend“ bewiesen, der ersten eigenproduzierten Serie im deutschen Pay-TV, in „Die Lottokönige“(WDR), derzeit im Kino mit „Oh Boy“ oder seit 2008 an der Seite von Anke Engelke in „Ladykracher“. Das war „ganz, ganz wichtig“ für die geborene Stuttgarterin, die ihre Ausbildung an einer Berliner Schauspielschule absolvierte und ihre erste Hauptrolle im Jahr 2000 neben Mariele Millowitsch spielte.

Vor all dem stand kurioserweise ein einwöchiger „Schnupperkurs“ in einer Schauspielschule, den sie im Preisausschreiben gewonnen hatte. Dabei wurde Friederike Kempter in München von einem Agenten entdeckt. Sie bekam ihre erste kleine Rolle. Neben Uschi Glas. Danach habe sie ein Geschichtsstudium angefangen. Man weiß ja nie. Mittlerweile ist ja bekannt, wohin es Schauspieler verschlagen kann. „Ich kenne gute Leute, die jahrelang auf hohem Niveau gespielt haben, auf einmal läuft's nicht mehr.“

Sie versucht, diese Sorge zu verdrängen. Dabei hilft auch – Comedy. „Dieses präzise Spielen in ,Ladykracher‘, das war noch mal eine richtige Ausbildung.“ Sie sei zu dem Job wie die Jungfrau zum Kinde. „Engelke wollte Kollegen, die nicht aus dem klassischen Comedybereich kommen. Wir haben da sehr viel Spaß, obwohl ich anfangs Muffensausen hatte.“ Letztendlich sei die Nadeshda im „Tatort“ aber am schwierigsten für sie zu spielen. „Da habe ich wenige Sätze zu sagen, die auf Anhieb sitzen müssen.“ Das sei wie beim Fußball, wenn Manuel Neuer den einen Ball halten muss, den Bayern München im Spiel aufs Tor kriegt.

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