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Berliner Stadtmagazin : "Zitty"-Chefredakteure gehen

Neue Unruhe bei dem Berliner Stadtmagazin "Zitty". Die Chefredakteure Stefan Tillmann und Lydia Brakebusch hören zum Jahresende auf.

Markus Ehrenberg
Die "Zitty" in Nöten
Die "Zitty" in NötenFoto: Repro

In der aktuellen Ausgabe laden die beiden Chefredakteure noch zu einer "Zitty"-Tour durch alle 96 Berliner Stadtteile ein, startend mit den schlimmsten Kiezen, die "vor dem Abstieg" gerettet werden sollen. Fragt sich, ob nicht auch "Zitty" vor dem endgültigen Abschied steht. Das Kult-Stadtmagazin aus Berlin steht offenbar auf der Kippe. Die Chefredakteure Stefan Tillmann und Lydia Brakebusch hören zum Jahresende auf.

"Wir bedauern die Entscheidung der beiden sehr, weil wir sehr gerne mit ihnen zusammengearbeitet haben und auch noch gerne weiterarbeiten würden", sagt Robert Rischke, Geschäftsführer des Raufeld Verlages und des Zitty Verlages. Im Raufeld Verlag erscheint die "Zitty". Stefan Tillmann habe auf eigenen Wunsch gekündigt.

"Er hatte schon zur Übernahme der Chefredaktion gesagt, dass er es als seine Hauptaufgabe ansieht, den Relaunch auf eine wöchentliche Erscheinungsweise gut umzusetzen. Diesen Neustart hat er gemeinsam mit Lydia Brakebusch sowie der ganzen Belegschaft bravourös hinbekommen. Jetzt hat er für sich die Entscheidung getroffen, etwas Neues machen zu wollen. Wir bedauern wie gesagt die Entscheidung sehr, da wir sehr gut mit Stefan Tillmann und Lydia Brakebusch zusammenarbeiten." Lydia Brakebusch bleibe beim Verlag, sie wolle aber neue Aufgaben übernehmen. 

Auf Twitter bestätigt Stefan Tillmann seine Kündigung. Er gehe freiwillig und habe "nichts Neues". Es fühle sich gut an. Lydia Brakebusch hingegen habe nicht gekündigt, so Tillmann weiter, sie gebe aber den Posten ab. Bei "Zitty" gehe es weiter.

Das klingt optimistisch, hört man sich aber in der Redaktion um, herrscht dort schlechte Stimmung. Auch eine Zusammenlegung mit dem "tip" ist nicht auszuschließen. Die "Zitty" ist ein wöchentlich erscheinendes Berliner Stadtmagazin. Es wurde 1977 von ehemaligen Mitarbeitern des Anfang der 1970er Jahre gegründeten Stadtmagazins "Hobo" gegründet. Das Stadtmagazin erscheint in der ursprünglich als selbstverwalteter Betrieb konzipierten Zitty Verlag GmbH, die ab 1999 zunächst zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehörte, anschließend Teil der Tagesspiegel-Gruppe in der Dieter von Holtzbrinck Medien wurde.

Seit dem 1. April 2014 gehört die Zitty, im Zitty Verlag, zur Raufeld Verlag. Dieser hatte sechs Monate zuvor das Berliner Stadtmagazin "tip" übernommen.Seit dem 10. Juni 2015 erscheint das ursprünglich 14-täglich erscheinende Magazin mittwochs als Wochenzeitschrift. Mit dem Relaunch sollte "Zitty" wieder mehr als "Stimme für Berlin" wahr genommen werden.

Die verkaufte Auflage der "Zitty" lag im zweiten Quartal 2015 bei 22 501, gegenüber 26 076 im Vorjahreszeitraum, beim 14-tägig erscheinenden "tip" sind es 26 609. Stadtmagazine wie "Zitty" und "tip" haben auch strukturell mit der Krise im Anzeigenmarkt zu kämpfen. Außerdem hat die Funktion des reinen Veranstaltungskalenders - Grund genug, sich in den 1980ern und 90ern ein Stadtmagazin zu kaufen - angesichts der Angebote im Internet seine Bedeutung verloren. Da braucht es Geschichten wie „die schlimmsten Kieze Berlins“.

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