Betriebsrat gegen "Spiegel"-Chef : "Büchners Kalifat" bröckelt

Wolfgang Büchners Position beim "Spiegel" in Hamburg wackelt. Jetzt ist auch der Betriebsrat gegen ihn.

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"Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner.
"Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner.Foto: dpa

„Büchner schubst keinen mehr vom Fensterbrett. Jetzt kann er nur noch selber springen, so gut wie tot ist er schon“: Zitate dieser Couleur finden sich derzeit zuhauf; auf Twitter, Medien-Watchblogs, nur wenig dezenter formuliert bei Branchendiensten. Alle drücken Ähnliches aus: In Hamburg droht „Spiegel“-Chefredakteur Wolfgang Büchner die Situation zu entgleiten. Nachdem sich bereits alle Print-Ressortleiter gegen ihn und seine Umbaupläne gestellt hatten, hat ihm am Mittwoch auch der Betriebsrat das Vertrauen entzogen. Grund war Büchners Vorhaben, die Leiter des Wirtschafts- und Kulturressorts, Armin Mahler und Lothar Gorris, mit siebenstelligen Abfindungen aus ihren bisherigen Posten zu drängen. Zudem hatte er ihnen zwei Wochen als Urlaub betitelte Bedenkfrist geboten. Der Betriebsrat sprach in seinem Brief deshalb von einem „Kultur- und Tabubruch“ innerhalb des Hauses, den es so noch nie gegeben habe. Besonders kritisiert wurde die Tatsache, dass Büchner Mahlers Posten bereits per Aushang ausschreiben ließ – obwohl dessen Vertrag noch bis Ende des Jahres läuft. Mitarbeiter sprechen aufgrund des rigorosen Vorgehens des Chefredakteurs schon von „Büchners Kalifat“.

Büchner soll in Mahler und Gorris die „Rädelsführer“ sehen, die die anderen Ressortleiter gegen ihn aufgewiegelt hätten. Nach Tagesspiegel-Informationen will Büchner auch weitere Ressortleiter loswerden; zudem liege er mit namhaften Autoren wie beispielsweise Dirk Kurbjuweit im Clinch. Marianne Wellershoff, Chefin der Beilage „Kultur-Spiegel“ und Mitglied der Geschäftsführung der Mitarbeiter KG, ist eine der wenigen, die Büchner noch den Rücken stärkt. Von Kollegen wird ihr vorgeworfen, zu taktieren, um Lothar Gorris’ Posten als Feuilleton-Chef übernehmen zu können – falls Büchner sich durchsetzt.
Danach sieht es derzeit nicht mehr aus. „Büchners Kalifat“ bröckelt.

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