Bilanz der "Tatort"-Saison 2015/2016 : 9,20 Millionen Zuschauer im Schnitt

Leichter Quotenrückgang in der Saison 2015/2016., trotzdem bleibt der ARD-Krimi ein Publikumshit. Aber Schweigers Kino-"Tatort" floppt

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Wo waren Sie am Sonntag um 20 Uhr 15? Der "Tatort" ist ein Ritual
Wo waren Sie am Sonntag um 20 Uhr 15? Der "Tatort" ist ein RitualFoto: ARD

Der Quotenhöhenflug des „Tatort“ hat in der Saison 2015/2016 einen leichten Knick bekommen. Im Durchschnitt haben die Erstausstrahlungen seit 1. Juli vergangenen Jahres 9,20 Millionen Zuschauer erreicht (siehe Grafik). In der weiter unangefochtenen Rekordsaison 2014/2015 waren es 9,70 Millionen. In den aktuellen Wert der am kommenden Sonntag mit dem RBB-Krimi auslaufenden Spanne passen der zuschauerstärkste „Tatort“ seit 1992 („Schwanensee“/Münster) mit 13,69 Millionen und der schwächste mit 6,67 Millionen („Benutzt“/Köln).

Die ungebrochene Anziehungskraft des ARD-Sonntagskrimis zeigt sich auch daran, dass nach Angaben der ARD-Medienforschung 2016 überhaupt nur drei Nicht-„Tatorte“ – „Polizeiruf 110“, die beiden ZDF-Produktionen „Ein starkes Team“ und „Das Mädchen aus dem Totenmoor“ – den „Tatort“ mit der schwächsten Quote von 7,78 Millionen Zuschauer („Fegefeuer“ mit Til Schweiger) übertreffen konnten. Für den „Tatort“ gilt unverändert: Als TV-Lockstoff ist nur noch der Live-Fußball stärker.

Immer wieder Experimente

Die neun ARD-Anstalten haben mit dem Format wieder experimentiert. Im MDR-Weimar-„Tatort“ steht ein Totgeglaubter („Der treue Roy“) mit Kugel im Kopf wieder auf, im WDR-Münster-Krimi „Ein Fuß kommt selten allein“ macht Professor Boerne (Jan Josef Liefers) mit der Staatsanwältin genau dort einen Tanzkurs, wo es etwas zu ermitteln gibt. Verschwurbelt und trotzdem unterhaltsam war der Plot vom HR-Krimi „Wer bin ich?“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot. In dem Meta-„Tatort“, sprich dem Film im Film spielt Ex-„Tatort“-Star Martin Wuttke den Ex-"Tatort"-Ermittler Wuttke.

Geradezu bescheiden fällt die Zahl der neuen Ermittlerteams aus. In Dresden haben aus dem MDR-Team nur Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) die Premiere überlebt. Die Figur von „Fack ju Göhte“-Star Jella Haase stirbt gleich im ersten Fall „Auf einen Schlag“. Außerdem ist Heike Makatsch für den SWR in Freiburg aufgetaucht, NDR-Ermittler Thorsten Falke hat seit dem Fall „Zorn Gottes“ die österreichische Schauspielerin Franziska Weisz an seiner Seite (statt zuvor sechs Mal Petra Schmidt-Schaller).

Schweigers Tschiller floppt an der Kinokasse

Der Til-Schweiger-Einfall, das große Finale der drei Nick-Tschiller-„Tatorte“ vom Bildschirm auf die Leinwand zu verlagern, war kein guter. Nur an die 280 000 Zuschauer wollten für „Tschiller – Off Duty“ Kinokarten kaufen. Irgendwo konsequent, weil schon die TV-Trilogie nicht rekordverdächtig nachgefragt wurde, und jeder wusste, dass das Finale spätestens 2018 in der ARD laufen wird.

Der „Tatort“ hat jetzt eine kostenlose App. Damit sind per Smartphone und Tablet die Filme abrufbar, außerdem gibt es Hintergrundinformationen und Mitmach-Elemente. Die Zuschauer können als Sofa-Kommissare beim Gucken den Fall parallel zu lösen versuchen.

Im Herbst kommt der offizielle 1000. „Tatort“ mit Maria Furtwängler und Axel Milberg (der Titel lautet wie beim ersten 1970: „Taxi nach Leipzig“). Fachleute sahen bereits im Bremer Fall „Der hundertste Affe“ die 1000. „Tatort“-Erstausstrahlung, weil sie im Gegensatz zur ARD 13 Filme dazuzählen, die zwischen 1985 und 1989 nur in Österreich gesendet worden sind.

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