Biopic : Legende bekommt Kratzer

Ein Arte-Themenabend zu Leben und Wirken Albert Schweitzers.

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Ehrfurcht vor dem Leben. Ein Krankenhaus im westafrikanischen Lambarene (heute: Gabun) war das Herzensprojekt von Albert Schweitzer (Jeroen Krabbé). Foto: Arte
Ehrfurcht vor dem Leben. Ein Krankenhaus im westafrikanischen Lambarene (heute: Gabun) war das Herzensprojekt von Albert...

Es sind vier Worte, die das Motto des deutschsprachigen, im elsässischen Kaysersberg bei Colmar geborenen Humanisten, Theologen, Organisten und Arzt Albert Schweitzer (1875 bis 1965) ausdrücken: „Ehrfurcht vor dem Leben“. Über dessen langes Leben und umfassendes Wirken gibt es diverse ältere Dokumentationen sowie neuere Biografien. 2009 entstand in Koproduktion mit der ARD Degeto das Filmbiopic „Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika“. Arte widmet Schweitzer einen Themenabend und zeigt sowohl den Spielfilm als auch den Dokumentarfilm „Albert Schweitzer – Anatomie eines Heiligen“ von Georg Misch.

Der Spielfilm setzt im Jahr 1949 ein: Albert Schweitzer (Jeroen Krabbé) und seine Frau Helene (Barbara Hershey) halten sich in New York auf, um Spenden zu sammeln für Lambarene, Schweitzers Krankenhaus in Westafrika. Er hält Vorträge, gibt Orgelkonzerte. Lambarene ist Schweitzers Herzensprojekt, sein Lebenswerk. In New York wird der berühmte Arzt zunächst gefeiert und überallhin eingeladen. Als sein Freund Albert Einstein (Armin Rohde) ihn bittet, sich öffentlich mit ihm und Robert Oppenheimer gegen Atombombentests auszusprechen, ändern sich die Dinge schlagartig. Den US-Geheimdiensten sind Einsteins öffentliche Äußerungen ein Dorn im Auge. Es mehren sich die Anzeichen, dass man gegen Schweitzer vorgeht, ihn beschattet.

Der britische Regisseur Gavin Millar („Danny – Der Champion“) entschloss sich für die Variante, dieses Biopic nicht konventionell chronologisch zu erzählen, sondern aus dem Jahr 1949 immer wieder in die Vergangenheit zu blicken. Eigentlich ein guter Entschluss. So wie die Besetzung der Hauptrolle mit dem holländischen Schauspieler Jeroen Krabbé („Kafka“) eigentlich auch ein guter Entschluss ist.

Krabbé müht sich jedoch vergeblich, die Sensibilität, die Großherzigkeit, die Eigenwilligkeit Albert Schweitzers überzeugend darzustellen. Des Weiteren ist in diesem Spielfilm eine Schar illustrer Darsteller zu sehen: Jeanette Hain als Schweitzers Tochter Rhena, Armin Rohde als Einstein, Eleonore Weisgerber als Oberschwester Anna, Hans-Werner Meyer als Dr. Erik Hals sowie Jennifer Ulrich als Schwester Susi Sandler.

Georg Mischs gelungener Dokumentarfilm „Albert Schweitzer – Anatomie eines Heiligen“ wiederum bleibt im Deskriptiven, enthält sich des Analytischen. Dabei gibt es auch kritische Stimmen zur Person von Albert Schweitzer. So behauptet Dr. André Audoynaud, ein älterer Herr mit recht selbstgefälligem Gestus, der früher als Militärarzt in Lambarene, im heutigen Gabun, bei Schweitzer war, dass dieser die Schwarzen als minderwertig behandelt habe, dass er nicht hygienisch operiert habe, überhaupt, dass alles nur ein Mythos sei, Teil einer Legendenbildung, die bereits zu Lebzeiten eingesetzt hat. Die Museumsdirektorin Christiane Keller, die im Schweitzer-Museum in dessen Geburtsstadt Kaysersberg inmitten der Schweitzer-Sammlung mit dieser Meinung konfrontiert wird, ist bestürzt.

„Themenabend: Albert Schweitzer - Ein Leben für das Leben“, Arte, ab 20 Uhr 15

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