Medien : Bloch auf der Höhe der Hellsicht

29.06.2010 14:08 UhrVon Barbara Sichtermann

Bloch-Filme sind immer so gut wie Bloch im Film. Dieser ebenso schwergewichtige wie hochsensible Psychotherapeut, als Rolle dem Schauspieler Dieter Pfaff auf den Leib geschrieben, ist sich selbst der wichtigste Patient. Je nachdem, wie viel Spielraum das Drehbuch ihm lässt, fremden Ratsuchenden zur Verfügung zu stehen, läuft der Doktor dann aber doch zu großer Form auf. In „Die Geisel“ steht er vor der delikaten Aufgabe, einer traumatisierten Ministerin, gespielt von Claudia Michelsen, bei der Verarbeitung ihrer Todesangst zu helfen. Und tatsächlich, er kommt hinter das Geheimnis seiner schwierigen Patientin. Dafür muss dieser Spürhund und Menschenkenner seine sensibelsten Tentakel ausfahren.

Er macht das mit der für ihn typischen Mischung aus Einfühlsamkeit und Zielsicherheit. Und weil Bloch im Film gut ist, ist auch der Bloch-Film (Regie Elmar Fischer; Buch Jörg Tensing) gut.

Marianne Herbst gehört der baden-württembergischen Landesregierung an. Ein Jahr lang war sie in der Gewalt von Aufständischen in Honduras. Sie kam frei, ist jetzt wieder zu Hause bei Mann und Kindern. Und sie kehrt zurück ins Büro, nimmt an den Sitzungen teil. Sie sagt, sie habe die Schrecken der Gefangenschaft hinter sich. Aber so ist es nicht. Ihr Mann besteht darauf, dass sie in Therapie geht. Sie ruft Bloch an.

Psychologen haben in populären Medien einen zweifelhaften Ruf. Sie müssen schon mit besonderen Fähigkeiten aufwarten, damit sie etwa im Fernsehen eine Autorität gewinnen, die der des Kommissars im Krimi vergleichbar ist. Bei „Bloch“ ist das gelungen. Und zwar weil Bloch die Krisen, in denen seine Patienten stecken, immer in einen breiteren Kontext stellt. Und Bloch kann kämpfen. Er stellt der Ministerin indiskrete Fragen. Sie mauert, weil die Wahrheit für sie unerträglich ist. Bloch sucht andere Wege. Er befragt ihre Familie. Er steckt seine Nase in ihre amtlichen Angelegenheiten. Er ruft sie im Ministerium an, fährt ihr hinterher, nötigt sie zum Gespräch, weist ihr die Couch. Bis sie auspackt. Barbara Sichtermann

„Die Geisel“, ARD, 20 Uhr 15

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